Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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hafte, geſinnungsvolle Mann, welcher ſo offen und uneigen⸗ nützig Ihre Vertheidigung übernommen, hat mir geſagt, er glaube, daß Sie vielleicht für den Augenblick die Töchter des Marſchalls Simon in Pflege nehmen wollten. Augen⸗ blicklich will ich ſie aus dem Kloſter abfordern „in welches ſie ebenfalls mit Liſt gebracht worden ſind.“

„In der That,“ antwortete Adriana, „ſobald ich die An⸗ kunft der Töchter des Marſchalls Simon zu Paris erfahren hatte, war meine Abſicht, ihnen eine Wohnung bei mir anzubieten. Die Fräulein Simon ſind nahe mit mir ver⸗ wandt. Sie als Schweſtern zu behandeln, iſt für mich eine Pflicht und ein Vergnügen. Ich würde Ihnen alſo doppelt dankbar ſeyn, wenn Sie mjr dieſelben anvertrauen wollten.“

„Ich glaube nichts beſſeres für ſie thun zu können,“ er⸗ wiederte Herr von Gernande. — „Berr Doctor, würden Sie verſtatten, daß ich auf der Stelle die Fräulein Simon hie⸗ her bringe? Ich will ſie holen, während Fräulein von Car⸗ doville ſich zum Abgang fertig macht. Sie können dann dies Haus mit ihren Verwandten verlaſſen.“

„Ich bitte das Fräulein von Cardoville, über dies Haus wie über das ihrige zu verfügen bis zum Augenblick ihres Abgangs,“ ſagte Baleinier. „Meine Kutſche ſteht zu ihrem Befehl.“

Adriana nahm das Wort und ſprach mit bezaubernder Würde zu dem Richter: „Es bleibt mir aus dieſen trauri⸗ gen Tagen wenigſtens eine angenehme und rührende Erin⸗ nerung, die Erinnerung an die Theilnahme, welche Sie mir bewieſen haben, und ich hoffe, Sie werden mich gütigſt in Stand ſetzen, Ihnen in meiner Wohnung meinen Dank auszuſprechen, nicht für die Gerechtigkeit, welche Sie gegen mich geübt haben, ſondern für die wohlwollende, ich möchte ſagen väterliche Weiſe, in welcher Sie es gethan haben. Und dann,“ fügte ſie anmuthig lächelnd hinzu, „iſt es mir darum zu thun, Ihnen zu beweiſen, daß meine ſogenannte Heilung etwas wirkliches iſt.“

Herr von Gernande verbeugte ſich achtungsvoll vor dem Fräulein.

Während der kurzen Unterredung des Beamten mit Adria⸗ nen hatten beide dem Arzt und Rodin den Rücken zugekehrt.