„Das iſt eine unbegreifliche Wuth!“ rief der Kurzrock er⸗ bittert „Es ſcheint mir, der Herr Richter beweiſt Partei⸗ lichkeit, indem er ſolche plumpe Verleumdungen gegen mich aufhäufen läßt.“
„Herr Doctor,“ verſetzte der Richter in ſtrengem Ton, „ich habe das Recht, nicht nur beide Theile ſich ausſprechen zu laſſen, ſondern auch, ſie dazu zu veranlaſſen, ſobald ich hoffen kann, dadurch Aufklärung zu erhalten. Di Ergeb⸗ niß von Allem iſt, daß ſelbſt nach Ihrer Meinung, Herr Doctor, der Geſundheitszuſtand des Fräuleins von Cardo⸗ ville infoweit befriedigend iſt, daß ſie noch heut in ihren Familienkreis zurückkehren kann
„Wenigſtens ſehe ich keine große Gefahr dabei,“ erwie⸗ derte Baleinier. „Nur behaupte ich, daß die Heilung nicht ſo vollſtändig iſt, wie ſie hätte werden können, und in die⸗ ſer Beziehung weiſe ich jede Verantwortlichkeit von der Hand“ .
„Sie können dies um ſo eher,“ bemerkte Rodin, „als es zweifelhaft iſt, ob das Fräulein in Zukunft wieder Ihre Weisheit in Anſpruch nehmen wird“
„Demnach,“ ſagte der Richter, „brauche ich Sie nicht erſt aufzufordern, dem Fräulein von Cardoville augenblicklich die Thüren dieſes Hauſes zu öffnen.“
Das Fräulein iſt frei, vollkommen frei,“ erwiederte Ba⸗
„Die Frage, ob Sie das Fräulein unter Vorſchützung von Wahnſinn eingeſperrt haben, iſt vor Gericht anhängig,“ fügte der Beamte hinzu. „Sie werden vernommen werden“
„Ich bin ruhig,“ verſetzte Baleinier gefaßt. „Mein Ge⸗ wiſſen macht mir keinen Vorwurf.“
„Ich wünſche es,“ erwiederte Herr von Gernande. „So bedeutend auch die Anzeichen ſeyn mögen, beſonders wenn ſie einen Mann in Ihrer Stellung betreffen, ſo wünſchen wir doch ſtets, Unſchuldige zu finden. — Fräulein, ich be⸗ greife, wie ſchmerzlich, wie verletzend dieſer Auftritt für Ihr Zartgefühl und für Ihren Edelmuth geweſen ſeyn muß. Später wird es von Ihnen abhängen, eine Privatklage gegen Herrn Doctor Baleinier zu erheben, oder eben der Gerechtigkeit ihren Lauf zu laſſen. — Noch ein Wort. — Dieſer ehren⸗


