daß Sie mit ihr geſprochen haben, als wäre ſie wirklich verrückt? Wahrhaftig, das iſt ein ſchlagender Beweis!“
„Aber — —“ begann der Dyetor.
„Aber“, fuhr Rodin fort, ohne ihn weiter reden zu laſ⸗ ſen, „es iſt augenſcheinlich, daß Sie in der Vorausſicht deſſen, was eben geſchieht, um ſich ein Schlupfloch offen zu halten, vor den Augen dieſes armen Fräuleins die Miene angenommen haben, als glaubten Sie ſelber an Ihre ſchänd⸗ liche Lüge, damit Sie ſpäter ſich auf Ihre vorgebliche Ueberzeugung berufen könnten. Gehen Sie! vernünftigen Leuten, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, muß man keine ſolche Mährchen aufbinden wollen.“
„Nun, wohlan! — —“ begann Baleinier zornig.
„Nun, wohlan!“ unterbrach Rodin abermals, den Doctor überſchreiend, „iſt es wahr oder nicht, daß Sie ſich die Ausflucht vorbehalten, dieſe ſchändliche Einſperrung auf einen wiſſenſchaftlichen Irrthum zu ſchieben? Ich ſage ja — und ich füge hinzu, daß Sie ſich für geborgen halten, weil Sie jetzt ſagen: durch meine Pflege hat das Fräulein ſeinen Verſtand wieder erlangt; was will man weiter?“
„Ich ſage das, und ich behaupte es.“
„Sie behaupten eine Unwahrheit, denn es iſt bewieſen, daß das Fräulein nie einen Angenblick den Verſtand ver⸗ loren hatte.“
„Und ich behaupte, daß es der Fall geweſen iſt.
„Und ich werde das Gegentheil beweiſen,“ ſagte Rodin.
„Sie? Wie ſo?“ rief der Doctor.
„Ihnen das jetzt zu ſagen, werd' ich mich hüten, wie Sie ſich leicht denken können,“ erwiederte Rodin mit ſpöttiſchem
Lächeln. Und im Ton des Unwillens fuhr er fort: „Wahr⸗
lich, Sie ſollten ſterben vor Scham, daß Sie ſich unter⸗ ſtehen, eine ſolche Frage in Gegenwart des Fräuleins an⸗ zuregen. Erſparen Sie ihr wenigſtens eine ſolche Erör⸗ terung.“ „Herr — —“ begann Baleinier. 5 „Pfui!“ fiel ihm Rodin ins Wort, „pfui, es iſt wider⸗ wärtig, ſo etwas vor dem Fräulein zu behaupten — wider⸗ wärtig, wenn Sie die Wahrheit ſagen, und wiverwärtig, wenn Sie lügen.“ S


