Ausdruck anzuwenden. Was die Beſchaffenheit dieſes Miß⸗ griffs angeht, ſo will ich lieber glauben, daß Sie, einer der Fürſten der Wiſſenſchaft, ſich völlig in der Beurtheilung eines mediciniſchen Falles haben täuſchen können, als Sie beargwohnen, die Heiligkeit eines Berufs, welcher faſt ein Prieſterthum iſt, völlig vergeſſen zu haben.“
„Wenn Sie die Thatſachen genauer bezeichnet haben wer⸗ den,“ verſetzte der Jeſuit vom kurzen Kleid mit einem ge⸗ wiſſen Stolz, „dann wird es mir leicht ſeyn zu beweiſen, daß mein wiſſenſchaftliches Bewußtſeyn eben ſo ſehr wie
mein moraliſches vor jedem Vorwurf ſicher iſt.“
„Fräulein,“ ſagte Herr von Gernande zu Adrianen, Hiſt es wahr, daß Sie durch Liſt in dies Haus gebracht wor⸗ den ſind?“
„Herr!“ rief Baleinier, „erlauben Sie mir die Bemer⸗ kung, daß die Art, wie Sie Ihre Frage ſtellen, beleidigend für mich iſt.“
„Herr Doctor!“ verſetzte der Beamte ſtrenge, „mit dem Fräulein habe ich die Ehre zu ſprechen, und ich allein bin Richter über die Schicklichkeit meiner Fragen.“
Adriane wollte die Frage des Richters bejahend beant⸗ worten, als ein ausdrucksvoller Blick des Doetors ſie erin⸗ nerte, daß ſie damit vielleicht über Dagobert und deſſen Sohn eine ſchreckliche gerichtliche Unterſuchung bringen könnte. Nicht ein gemeines Rachegefühl, ſondern gerechter Unwille über empörende Heuchelei erfüllte ihre Seele. Sie hätte es als Feigheit betrachtet, die Entlarvung derſelben zu verhin⸗ dern, aber ſie wollte dieſer Entlarvung nicht die Rückſichten für ihre edelmüthigen Freunde aufopfern und erwiederte darum in ſanftem und würdevollem Ton: „Erlauben Sie mir, ver⸗ ehrter Herr, Ihnen meinerſeits eine Frage zu ſtellen.“
„Sprechen Sie, Fräulein,“ ſagte der Richter.
„Wird die Antwort, die ich Ihnen zu geben habe, als eine Beſchwerde betrachtet werden?“
„Fräulein,“ erwiderte der Richter, „ich komme hierher, vor allen Dingen um die Wahrheit zu ſuchen. Dieſe zu
verhehlen darf keine Rückſicht Sie beſtimmen.“
„Gut,“ entgegnete Adriana. „Aber angenommen, ich hätte gerechte Urſachen, zu klagen, und ich legte Ihnen die⸗
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