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haben. Ich ſage Mißgriff, um nicht einen ſchlimmeren
Sechstes Kapitel. D
Baleinier, durch die unerwartete Anweſenheit einer Ge⸗ richtsperſon und durch das unerklärliche Benehmen Rodin's einige Augenblicke aus der Faſſung gebracht, gewann bald ſeine Kaltblütigkeit wieder und entgegnete ſeinem Bruder Lang⸗ rock: „Wenn ich verſucht habe, mich Ihnen durch Zeichen verſtändlich zu machen, ſo iſt es geſchehen, weil ich zugleich das Schweigen nicht unterbrechen wollte, welches dieſer Herr hier bei ſeinem Eintreten beobachtet hat, und zugleich Ihnen meine Ueberraſchung kund geben wollte über einen Beſuch, mit dem beehrt zu werden ich nicht gefaßt war.“
„Dem Fräulein werde ich die Urſache meines Stillſchwei⸗ gens erklären, Herr Doetor,“ verſetzte der Beamte mit einer leichten Verbeugung gegen Adriane. — „Fräulein, in Be⸗ zug auf Sie iſt mir eine Erklärung von ſolcher Wichtigkeit gemacht worden, daß ich bei Ihrem Anblick nicht umhin
konnte, einen Augenblic ſtill zu ſchweigen, mich zu ſammeln
und zu verſuchen, in Ihrem Geſicht und in Ihrer S zu leſen, ob die bei mir angebrachte Klage gegründet wäre. In der That habe ich allen Grund zu glauben, daß ſie es iſt.“
„Könnte ich endlich erfahren, mit wem ich die Ehre habe zu ſprechen?“ fragte Baleinier in höflichem, aber feſtem Ton.
„Ich bin Unterſuchungsrichter und komme, mir Gewißheit zu verſchaffen über eine Sache, die mir angezeigt worden iſt.“
Baleinier verbeugte ſich und ſagte: „Haben Sie die Güte, ſich näher zu erklären.“
Herr von Gernande, ſo hieß der Beamte, ein Mann von etwa fünfzig Jahren, feſt und rechtlich, und gewohnt, die ſtrengen Pflichten ſeines Berufs mit wohlwollender Höflich⸗ keit zu verbinden, erwiderte: „Herr Doctor, man wirft Ihnen vor, einen — ſehr ſchweren Mißgriff begangen zu


