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Rodin, wie immer ſchuftig gekleidet, deutete ſchon in der Thür dem Beamten mit achtungsvoller und mitleidiger Ge⸗ bärde auf das Fräulein von Cardoville. Während der Beamte betroffen von der ſeltenen Schönheit des Mädchens, ſie mit Theilnahme und Bewunderung zu betrachten ſchien, trat der Jeſuit beſcheiden einige Schritt zurück.
Baleinier, deſſen Erſtaunen auf's Höchſte geſtiegen war,
wollte ſich mit Rodin verſtändigen und gab ihm wiederholte
Winke, welche Fragen über das unerwartete Erſcheinen des Beamten ausdrückten. Rodin that, als kenne er ihn nicht und begriffe nicht ſeine ausdrucksvollen Gebärden. Er be⸗ trachtete ihn mit der Miene eines Verblüfften. Der Doctor verlor die Geduld und ſtellte ſeine ſtummen Fragen immer deutlicher. Rodin trat einen Schritt vor, ſtreckte ſeinen ſchiefen Hals nach ihm aus, und ſagte: „Wie beliebt, Herr Doctor?“
Bei dieſen Worten, welche das ſeit einigen Secunden herrſchende Schweigen brachen, wandte der Beamte ſich um. Rodin fuhr mit unverwüſtlicher Kaltblütigkeit fort: „Seit unſerer Ankunft macht mir der Herr Doctor allerlei geheim⸗ nißvolle Zeichen. Ich glaube, er hat mir etwas ganz beſon⸗ deres mitzutheilen. Ich, der ich kein Geheimniß habe, bitte ihn, ſich ganz laut zu erklären.
Dieſe Bemerkung ward in feindſeligem Ton geſprochen und mit einem Blick eiſiger Kälte begleitet. Baleinier ge⸗ rieth ſo ſehr außer Faſſung, daß er einige Augenblicke da⸗ ſtand, unfähig, ein Wort der Erwiederung hervorzubringen.
Der Beamtt ſchien von Rodin's Bemerkung und von dem
darauf folgenden Schweigen betroffen zu ſeyn und warf auf
den Doetor einen ſtrengen Blick. Wiſane, welche gefaßt geweſen war, den Herrn von Montbron eintreten zu ſehen, war ebenfalls ſehr erſtaunt.


