—
drohen mir indirect. Haben Sie das Herz, mir zu ſa⸗ gen, ob Sie, wenn ich mich bei dem Beamten beſchwere, den Soldaten und ſeinen Sohn auf der Stelle angeben wollen?“
„Ich wiederhole Ihnen, wenn Sie klagen, ſo ſind dieſe Leute verloren,“ antwortete der Kurzrock zweideutig.
Wankend gemacht durch das wirklich Gefährliche, was in der Drohung des Doetors lag, rief Adriana: „Wie? Mei⸗ nen Sie, ich ſollte lügen, wenn der Beamte mich befragt?“
„Antworten Sie — — was wahr iſt. Antworten Sie — — daß Sie ſich vor einigen Tagen in ſolcher Ueber⸗ ſpannung befunden haben, daß man geglaubt hat, Sie zu Ihrem Beßten hierher bringen zu müſſen, daß aber Ihr Zuſtand ſich bedeutend gebeſſert hat, daß Sie die Nützlich⸗ keit der zu Ihrem Beßten ergriffenen Maßregel anerkennen. Ich werde dieſe Worte beſtätigen — denn ſie ſind eben die Wahrheit.“
„Rie!“ rief Adriana empört. „Nie werde ich mich zur Mitſchuldigen einer ſo ſchändlichen Lüge machen. Nie werde ich feig genug ſeyn, ſo die ſchmähliche Behandlung zu recht⸗ fertigen, die ich erduldet habe.“
„Da iſt der Beamte,“ ſagte Baleinier, als ſich ein Ge⸗ räuſch vor der Thüre hören ließ. „Nehmen Sie ſich in Acht“
Die Thür ging auf, und zum unausſprechlichen Erſnu nen des Dortors erſchien Rodin, begleitet von einem Mann 2 in ſchwarzer Kleidung von würdigem ſtrengem Ausſehen.
Seinem Plan gemäß und aus Gründen liſtiger Klugheit, die man ſpäter erfahren wird, hatte Rodin nicht allein nicht den Pater Aigrigny und folglich auch nicht den Doctor von ſeinem beabſichtigten unerwarteten Beſuch im Krankenhaus mit einem Beamten in Kenntniß geſetzt, ſondern er hatte, wie oben erwähnt, dem Arzt den Befehl geben laſſen, das Fräulein von Cardoville noch enger einſchließen zu laſſen. Man begreift demnach die verdoppelte Beſtürzung Baleiniers, als er den Gerichtsbeamten, deſſen unerwartetes Erſcheinen und deſſen ehrfurchtgebietende Miene ihn überaus beunru⸗ higten, nun gar in Begleitung Rodin's, des demüthigen e Secretärs des Abbé von Aigrigny, eintre⸗ ten ſah. 3


