Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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„So? Ihre Freundin?“ ſagte Rodin nachdenkend.

„Ja, lieber Herr, meine Buſenfreundin.“

„Und Sie haben ſie gern?“

„Wie eine Schweſter. Ich thue für das arme Mädchen, was ich kann, und das will nicht viel ſagen. Aber wie kommt ein ehrbarer Mann von Ihrem Alter dazu, die Königin Bac⸗ chanal zu kennen? Das beweiſt, daß Sie falſche Namen führen.“

„Liebes Kind, jetzt habe ich keine Luſt mehr zu lachen,“ ſprach Rodin in ſo traurigem Tone, daß Roſe Pompon ihren Scherz bereute und ernſthaft fragte „Aber woher kennen Sie Eephiſen?“ 4 „Ach, ſie kenn ich nicht, ſondern einen wackeren Jungen, der ſie wie ein Rarr liebt.“

„Jakob Rennepont?“

„Genannt Liegganznackt,“ ergänzte Rodin, und ſeufzend ſetzte er hinzu: „Jetzt ſitzt er im Gefängniß wegen Schulden. Geſtern hab' ich ihn dort geſehn.“

„Sie haben ihn geſtern dort geſehen? Nein — wie ſich das trifft!“ rief Roſe Pompon die Hände zuſammenſchlagend „Kommen Sie geſchwind, auf der Stelle auf Philemon's Zimmer und geben Cephiſen Nachricht von ihrem Geliebten. Sie iſt ſo in Angſt.“

„Liebes Kind,“ erwiderte Rodin in gutmüthigem Ton, „ich möchte ihr nur gute Nachricht geben von dieſem braven Jungen, den ich gern habe ungeachtet ſeiner Thorheiten — denn wer hat nicht ſchon dumme Streiche gemacht!“

„Das läßt ſich hören,“ bemerkte Roſe Pompon, ſich auf ihren Hüften wiegend, wie wenn ſie noch als Ablader ver⸗ kleidet wäre. 3

„Noch mehr,“ fuhr Rodin fort. „Ich liebe ihn wegen ſeiner Narrenſtreiche. Denn, ſehn Sie, liebes Kind, man mag ſagen, was man will, es iſt immer ein gutes Herz, im⸗ mer ein guter Grund in Denen, welche ihr Geld großmüthig für Andere verſchwenden.“

„Wahrhaftig, Sie ſind ein braver Mann!“ rief Roſe Pompon, bezaubert von der Philoſophie Rodins. Aber warum wollen Sie nicht zu Cephiſen gehen und ihr von Jakob erzählen?“