„Ei, ich wohne ja hier, Herr Rodin,“ antwortete Roſe Pompon, indem ſie boshaft großen Nachdruckauſ den Namen legte.
„Sie? Ei, ei! Ich wußte gar nichts von einer ſo hübſchen Nachbarſchaft.“
„Ja, ſeit einem halben Jahr wohn' ich hier, Herr Rodin.“
„Wirklich? Ei wo denn?“
„Im dritten Stock des Vorderhauſes, Herr Rodin.“
„Sie ſind alſo die Perſon, die vorhin geſungen hat?“
„Ja, meine Wenigkeit war's.“
„Sie haben mir wirklich das größte Vergnügen gemacht.“
„Sie ſind ſehr gütig, Herr Rodin.“
„Und Sie wohnen hier bei Ihrer achtbaren Familie?“
„Ich glaube, Herr Rodin,“ antwortete Roſe Pompon, die Augen niederſchlagend, ohne verwirrt zu ſeyn. „Ich wohne bei Großpapa Philemon und bei Großmama Bacchanal, die nichts weiter iſt als eine Königin.“ Bis dahin war Rodin ernſtlich beunruhigt geweſen, da er nicht wußte, wie das Mädchen hinter ſeinen wahren Namen gekommen war. Als er aber die Königin Bacchanal nennen hörte und erfuhr, daß ſie in dieſem Haus wohnte, fand er in dieſer Entdeckung Erſatz für das ungelegene Erſcheinen Roſe Pompon's. Es lag ihm viel daran, zu wiſſen, wo die Königin Bacchanal zu finden ſey, die Geliebte des Liegganz⸗ nackt und die Schweſter der Mayeur, welche letztere als ge⸗ fährlich bezeichnet war ſeit ihrer Unterredung mit der Oberin des Marienkloſters und ſeit dem Antheil, den ſie an dem Entweichungsplan des Fräuleins von Cardoville genommen. Zudem hoffte Rodin jetzt im Stand zu ſeyn, das Mädchen zur Nennung der Perſon zu bringen, welche ihr geſagt hätte, daß Herr Charlemagne eigentlich Herr Rodin hieß. Kaum hatte Roſe Pompon den Namen Bacchanal ausgeſprochen, ſo ſchlug Rodin die Hände zuſammen und nahm die Miene leb⸗ hafter Ueberraſchung und Theilnahme an. „Liebes Kind!“ rief er, „ich beſchwöre Sie, ſcherzen Sie nicht weiter. Mei⸗ nen Sie vielleicht ein Mädchen, das dieſen Beinamen führt und die Schweſter einer verwachſenen Rätherin iſt?“
„Ja, lieber Herr. Königin Bacchanal iſt ihr Beiname,“ entgegnete Roſe Pompon ihrerſeits erſtaunt. „Sie heißt Ce⸗ phiſe Soliveau und iſt meine Freundin.“


