Viertes Kapitel. Ein Freundesdienſt
Trotz ſeiner Ueberraſchung und Unruhe ließ Rodin ſich nichts merken. Da er ſah wie das Mädchen neugierig in's Zimmer guckte, ſchloß er vor allen Dingen hinter ſich zu und ſagte dann in gutmüthigem Ton: „Nach wem fragen Sie?“
„Nach Herrn Rodin,“ antwortete Roſe Pompon feſt, in⸗ dem ſie ihre hübſchen blauen Augen weit aufriß und dem Alten genau in's Geſicht ſah.
„Das iſt nicht hier,“ entgegnete Rodin, indem er einen Schritt nach der Treppe machte. „Ich kenne dieſen Namen nicht. — Sehen Sie weiter oben oder unten zu.“
„Ei, ei! Sieh' einmal an! In Ihrem Alter zu ſchäkern! Als ob man nicht wüßte, daß Sie Herr Rodin heißen!“
„Charlemagne,“ ſagte der Soeius mit einer Verbeugung. „Charlemagne, Ihnen zu dienen, wenn ich im Stand bin.“
„Sie ſind nicht im Stand,“ antwortete Roſe Pompon in majeſtätiſchem Ton. Und mit neckiſcher Miene fügte ſie hinzu „Wir ſpielen alſo Verſteckens, daß wir die Namen wechſeln. Wir haben Angſt, Mama Rodin möchte uns ausſpähen?“
Der Soeius lächelte mit väterlicher Miene und ſagte: „Liebes Kind, Sie kommen an den Rechten. Ich bin ein guter Alter, der die Jugend, die muntere Jugend liebt. Alſo machen Sie ſich luſtig, ſelbſt auf meine Koſten; aber laſſen Sie mich fortgehen, denn bei mir drängt die Zeit.“ Und er machte abermals einen Schritt nach der Treppe.
„Herrn Rodin,“ ſagte Roſe Pompon mit feierlicher Stimme, „ich habe Ihnen ſehr wichtige Dinge mitzuthei⸗
len. Ich habe Sie um Rath zu fragen über eine Herzens⸗
angelegenheit.“ „O, Sie kleine Närrin! haben Sie denn Niemand in Ihrem Haus zu quälen, daß Sie in dieſes kommen?“
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