genwärtige Note geht heute ab. Morgen werd' ich ſie vervollſtändigen. Sie wird Ihnen wie immer durch den kleinen Kaufmann zukommen.“
Rodin legte den Brief in einen doppelten Umſchlag. In dem Augenblick, wo er ihn verſiegelt hatte, glaubte er von Neuem Geräuſch außen zu hören. Er horchte. Nach einigen Augenblicken der Stille klopfte es vernehmlich an der äußeren Thür. Rodin fuhr zuſammen. Seit einem Jahr, wo er dieſe Wohnung hatte, war dies das erſte Mal, daß an ſeine Thür geklopft ward. Eilig ſteckte er den eben geſchriebenen Brief in ſeine Rocktaſche, öffnete den unter dem Bett ver⸗ ſteckten Koffer, nahm einen in ein zerriſſenes farbiges Schnupf⸗ tuch gewickelten Pack heraus, legte zu demſelben die beiden empfangenen Briefe in Chiffern, legte den Pack wieder in den Koffer und ſchloß dieſen ſorgfältig zu.
Außen ward mit verdoppelter Ungeduld geklopft. Rodin nahm den Korb der Händlerin in die Hand, den Schirm un⸗ ter den Arm und ging unruhig nach der Thür, um zu ſehen, wer der zudringliche Beſucher wäre. Als er die Thür öff⸗ nete, ſtand Roſe Pompon vor ihm, die ſtörende Sängerin. Sie machte eine artige Verbeugung und fragte ganz unbe⸗ fangen: „Herr Rodin?“


