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„O Irrthum! Nein, es hegt Gott keinen Groll, Er ſchuf das All, im All wirkt ſeine Kraft. Wein, ſein Geſchenk, und Freundſchaft liebevoll, Und Liebe, du, die gleichfalls nach ihm ſchafft, 6 Leiht meiner Lebensweisheit euren Zauber ihr, Austilgend finſtrer Träume letzte Spur.
Das Glas erhebend traue jeder hier
Dem Gott der Guten nur.“
Dieſer engelmilde Geſang ſtand in ſo ſeltſamem Wider⸗ ſpruch mit der kalten Grauſamkeit der von Rodin geſchriebe⸗ nen Zeilen, daß dieſer zuſammenfuhr und ſich vor Wuth in die Lippen biß, als er den Refrain des großen, wahrhaft chriſtlichen Dichters erkannte, welcher der ſchlechten Kirche ſo harte Schläge verſetzt hatte. Mit zorniger Ungeduld wartete
er einige Augenblicke, ob die Stimme weiter ſingen würde. Aber Roſe Pompon hielt inne, ſummte dann bloß noch und ging in eine andere Singweiſe über, in die vom Guten Papſt, die ſie ohne die Worte vortrug. .
Rodin wagte es nicht, an ſein Fenſter zu gehen und nach⸗ zuſehen, wer die ſtörende Sängerin wäre. Er zuckte die Ach⸗ ſeln, ergriff von Neuem die Feder und ſchrieb weiter:
„Etwas anderes: Man ſollte die Unabhängigen in allen Ländern reizen — die Philoſophaſter-Wuth von Europa aufſtacheln — den Liberalismus ſchäumen machen — gegen Rom Alles aufhetzen, was ſchreit. Zu dem Ende folgende drei Sätze Angeſichts der Welt verkünden:
1) Es iſt abſcheulich zu behaupten, daß man bei jedem Glaubensbekenntniß ſelig werden kann, wenn nur die Sitten rein ſind.
2) Es iſt haſſenswerth und unſinnig, den Völkern Gewiſſensfreiheit zu bewilligen. 4
. 3) Man kann die Preßfreiheit nicht genug 5 verabſcheuen. *)
3 Der ſchwache Mann muß dahin gebracht werden, dieſe Sätze für durchaus orthodor zu erklären. Man muß ihm ihre guten Wirkungen auf die despotiſchen Regi⸗
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) Siehe die Anmerkungen am Schluß des Bandes. —


