Drittes Kapitel.
Ein unerwarteter Beſuch.
Obwohl Rodin bei Leſung des zweiten Briefes von Rom höchlich überraſcht worden war, wollte er doch nicht, daß ſeine Antwort dieſe Ueberraſchung verriethe. Nach Beendigung ſeines mäßigen Frühſtücks nahm er ein Blatt Papier und ſchrieb ſchnell in Chiffern nachfolgende Note in dem derben, entſchiedenen Ton, der bei ihm gewöhnlich war, wenn er ſich keinen Zwang anthat.
„Was mir berichtet wird, überraſcht mich nicht. —
Ich hatte Alles vorausgeſehen. — Unentſchiedenheit und
Feigheit tragen ſtets dieſe Früchte. — Das iſt nicht ge⸗
nug. — Das ketzeriſche Rußland erwürgt das katholiſche
Polen. — Rom ſegnet die Mörder und verflucht die
Opfer. ¹) — Das iſt mir recht.
Dafür verbürgt Rußland Rom durch Oeſtreich die blu⸗ tige Unterdrückung der Patrioten in der Romagna. —
Das iſt mir ebenfalls recht.
Die Würgerbanden des guten Cardinals Albani genü⸗
gen nicht mehr zur Niedermetzelung der gottloſen Libera⸗ len. Sie ſind müde. — Das iſt mir nicht mehr recht.
Sie müſſen vorwärts.“
In dem Augenblick, wo Rodin dieſe letzten Worte geſchrie⸗ ben hatte, ward ſeine Aufmerkſamkeit plötzlich abgelenkt durch die friſche, klangvolle Stimme Roſe Pompon's, welche ihren Béranger auswendig wußte und am offenen Fenſter Phile⸗ won's ſitzend gar lieblich folgenden Vers des unſterblichen Dichters ſang:
¹) Siehe die Anmerkungen am Schluß des Bandes.
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