Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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K —

Rodin hatte dieſen Kupferſtich mit ſechs Louisd'or bezahlt (ein ungeheurer Luxus!). Es ſtellte einen zerlumpten Kna⸗ ben vor, bei welchem die Häßlichkeit der Züge aufgewogen ward durch den geiſtreichen Ausdruck ſeines charaktervollen Geſichts. Der Knabe ſaß auf einem Stein; um ihn her weideten Schweine. Die Hand auf's Knie und das Kinn auf die Hand geſtützt, kehrte er dem Beſchauer das Geſicht zu. Die ſinnende Stellung dieſes bettelhaft gekleideten Knaben, ſeine gewaltige, breite Stirn, ſein feiner, durchdringender Blick, der Ausdruck von Liſt und Feſtigkeit in ſeinem Mund ſchie⸗ nen eine unbezwingliche Entſchloſſenheit, verbunden mit ſchar⸗ fem Verſtand und ſchlauer Gewandtheit, zu offenbaren. Unter dieſem Vild ſchlangen ſich die Abzeichen der päpſtlichen Würde um ein Medaillon, in deſſen Mitte man den Kopf eines Grei⸗ ſes erblickte. Die Geſichtszüge dieſes Kopfs entſprachen auf⸗ fallend denen des jungen Schweinhirten. Die Unterſchrift dieſes Kupferſtichs lautete: „Die Jugend Sirtus des Fünf⸗ ten.“ Unter dem ausgemalten Bilde ſtand: „Wahrſagung“. * Indem Rodin dieſe beiden Bilder immer näher mit immer glühenderem fragendem Blick betrachtete, als wollte er Ge⸗ danken oder Hoffnungen aus ihnen ſchöpfen, war er ihnen ſo nahe gekommen, daß er faſt den Kopf an dje Wand drückte. Seinen rechten Arm hielt er hinter dem Kopf gebogen, wäh⸗ rend ſeine Linke, den Schoß ſeines alten, olivengrünen Rocks zurückſchlagend, in der Taſche ſeiner ſchwarzen Hoſen ſteckte. Mehre Minuten lang blieb er ſo ſinnend ſtehen. 2 Rodin kam, wie geſagt, ſelten in dieſe Wohnung. Gemäß den Regeln ſeines Ordens hatte er bisher mit dem Pater Aigrigny zuſammengewohnt, deſſen Beaufſichtigung ihm ins⸗ beſondere übertragen war. Kein Mitglied der Congregation, beſonders in der untergeordneten bisherigen Stellung Rodins, durfte ſich in ſeinem Zimmer ein chließen, ja nicht einmal einen verſchließbaren Kaſten haben. Zufolge dieſer Einrich⸗ tung hinderte nichts das ſtete, wechſelſeitige Spioniren, eins der gewaltigſten Mittel der Wirkſamkeit und der Knechtung,

Laut der Sage wäre Sirtus V. in ſeiner Jugend Hirt ge⸗ weſen, und wäre ſeiner Mutter gewahrſagt worden, er würde Papſt werden.