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ſchwarz war, und deſſen rothes Band faſt ganz ſeine urſprün⸗ liche Farbe verloren hatte. Beim Anblick dieſes Kreuzes zuckte Rodin höhniſch lächelnd die Achſeln. Er ſteckte es wie⸗ der ein, desgleichen die ebenfalls herausgefallene Medaille Dſchalma's, zog ſeine große, ſilberne Uhr heraus und legte ſie auf den Tiſch neben den Brief von Rom.
Dieſen Brief betrachtete er mit einer eignen Miſchung von Mißtrauen und Hoffnung, von Beſorgniß und ungeduldiger Neugier. Nach einem Augenblick der Ueberlegung begann er den Umſchlag zu öffnen. Plötzlich warf er den Brief wieder auf den Tiſch, als ob er in wunderlicher Laune die Qual einer Ungewißheit, ſo drückend und aufregend wie die des Spielers, um einige Augenblicke verlängern wollte. Mit einem kindiſchen Fatalismus, von welchem ſelbſt große Gei⸗ ſter nicht frei geweſen ſind, ſagte ſich Rodin: „Ich brenne vor Begierde, dieſen Brief zu öffnen. Wenn ich ihn nicht vor halb Zehn öffne, werden die Nachrichten, die er mir bringt, günſtig ſeyn.“
Um die Minuten bis dahin anzuwenden, machte Rodin einige Schritte in ſeiner Stube und ſtellte ſich in bewunde⸗ rungsvoller Betrachtung vor zwei alte, vergilbte und vergrif— fene Bilder, die mit roſtigen Nägeln an der Wand befeſtigt waren.
Der eine dieſer beiden Kunſtgegenſtände, der einzigen mit denen Rodin ſeine Höhle ausgeziert hatte, war eins der un— geſchickt gezeichneten und in plumper Weiſe roth, gelb, grün und blau ausgemalten Bilder, wie ſie auf Jahrmärkten ver⸗ kauft werden. Eine italiäniſche Inſchrift beſagte, daß es in Rom gemacht war. Es ſtellte ein in Lumpen gehülltes Weib mit einem Bettelſack vor, welches ein kleines Kind auf dem Schoß hatte. Eine ſcheußliche Wahrſagerin hielt die Hand des Kindes in der ihrigen, und ſchien die Zukunft darin zu leſen. Aus ihrem Munde kamen in dicken, blauen Buchſta⸗ ben die Worte hervor: Sarà Papa (er wird Papſt werden).
Das zweite der Kunſtwerke, welche Herrn Rodin zu tief⸗ ſinnigen Betrachtungen zu veranlaſſen ſchienen, war ein herr— licher Kupferſtich, deſſen ausgezeichnete Ausführung und deſſen eben ſo kühne wie correcte Zeichnung einen auffallenden Ge⸗ genſatz zu der Plumpheit der anderen Schilderei bildete.


