Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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„Läſtermäulchen!“ rief Nini Muulin, ihr mit dem Finger drohend.

„Alſo wollen Sie die Frau von St. Colombe vertilgen? Denn ſie iſt ein wenig lau, die Dame. Und Ihre Heirath?“

„Gerade die wird durch mein Jvurnal befördert. Beden- ken Sie, Hauptredacteur, das iſt eine herrliche Stellung. Die Küſter preiſen, heben, unterſtützen, ſegnen mich. Ich ſchneppe die heilige Taube, und dann gibt es ein Leben — ein Luderleben.“

In dieſem Augenblick trat ein Briefträger in den Laden, gab der Händlerin einen Brief und ſagte: „Für Herrn Char⸗ lemagne, frankirt, koſtet nichts.“

„Sieh da!“ rief Roſe Pompon. „Das iſt für den kleinen, alten Geheimnißkrämer, der ſo eigne Schliche hat. Kommt das wohl weit her?“

„Das will ich meinen,“ antwortete Nini Moulin, indem er den Brief anſah, den die Händlerin in der Hand hielt. „Ei, ei,“ fügte er hinzu, „was iſt denn das nur für ein wunder⸗ barer, kleiner Alter, von dem Sie ſprechen?“

„Dicker Apoſtel,“ antwortete Roſe Pompon, „ſtellen Sie ſich ein altes Männchen vor, das hier hinten im Hof zwei

Zimmer hat. Er ſchläft nie darin. Von Zeit zu Zeit kommt

er und ſchließt ſich darin ein. Nie läßt er jemand hinein, und kein Menſch weiß, was er darin treibt.“

„Das iſt ein Verſchwörer, oder ein Falſchmünzer,“ ſagte Nini Moulin lachend.

„Der arme, gute Mann!“ erwiederte die alte Arſene. „Wo ſollte denn ſein falſches Geld ſeyn. Er bezahlt mir immer in rothen Kupferſtücken das Stück Brod und den Rettig, den ich ihm zum Frühſtück liefere, wenn er frühſtückt.“

„Und wie heißt dieſer alte Geheimnißkrämer?“ fragte Dumoulin.

„Herr Charlemagne,“ antwortete die Händlerin. „Da ſieh, wenn man den Eſel nennt, kommt er gerennt.“

„Wo iſt denn der Eſel?“ fragte Dumuulin.

„Der kleine Alte dort an dem Haus mit dem ſchiefen Hals und dem Schirm unterm Arm.“

„Herr Rodin!!“ rief Nini Moulin, wich raſch zurück und

ſtieg drei Stufen hinab, um nicht geſehen zu werden. Dann

fragte er: „Wie ſagen Sie, daß der Herr da heißt?“