weint. Sie kann ſich nicht darüber tröſten, daß ihr Liebha ber im Gefängniß ſitzt.“ 22 „Hören Sie, Mamſell,“ ſagte die Händlerin, „ich muß Ih⸗ nen etwas ſagen über Ihre Freundin Cephiſe. Sie werden es doch nicht übel nehmen?“
„Als ob ich ſo empfindlich wäre!“ erwiederte Roſe Pom⸗ pon achſelzuckend.
. „Glauben Sie, daß Herr Philemon, wenn er zurückkommt, mich nicht ausſchelten wird?“
„Sie ausſchelten? Warum?“
„Wegen ſeiner Wohnung, die Sie inne haben. ...“ „Ei, ei, alte Arſene! Hat Ihnen Philemon nicht vielmehr . geſagt, daß ich in ſeiner Abweſenheit Herrin ſeiner zwei Zim⸗ mer ſeyn ſollte, wie ich Herrin ſeiner ſelbſt bin?“ „Ich ſpreche nicht von Ihnen, Mamſell. Ich ſpreche von Ihrer Freundin Cephiſe, die Sie in die Wohnung des Herrn . Philemon mitgebracht haben.“
p. „Liebe, alte Arſene, wo hätte ſie denn hingehen ſollen ohne * mich? Seitdem ihr Liebhaber verhaftet iſt, hat ſie nicht ge⸗ wagt in ihrer Wohnung zu bleiben, weil ſie dort alles mög⸗ liche ſchuldig ſind. Da ich ihre Verlegenheit ſah, ſagte ich ihr: Komme mit mir und wohne bei Philemon. Kehrt er 1 zurück, dann werden wir dich ſchon anderweit einqu iren.“ „Manſellchen, wenn Sie mich verſichern, daß Herr Phile⸗ 3 mon nicht zanken wird, dann bin ich's zufrieden.“
„Janken? Worüber? Daß man ihm ſeine Haushaltung zu Schanden richtet? Er hat eine prächtige Haushaltung! Ge⸗ † ſtern hab' ich ſeine letzte Taſſe zerbrochen. Da ſehen Sie, 1 in welch ſchnurrigem Ding ich Milch holen muß!“
* S
5 3 * Roſe Pompon lachte laut auf, ſtreckte ihren hübſchen wei⸗ ßey⸗ Arm aus ihrem Mantel und ließ die alte Arſene eins 8
von den coloſſalen Champagnergläſern ſehen, welche beiläufig eine Flaſche halten.
„Ei du mein Gott!“ rief die Händlerin verdutzt. Bas ſieht ja aus wie eine Trompete von Kryſtall!“ „Das iſt das Paradeglas Philemon's. Es iſt ihm verehrt
worden, als er in die Geſellſchaft der Bootsleute aufgenom⸗
nen wurde,“ ſagte Roſe Pompon ernſthaft.


