Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
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ſeyn dürfte; der nach den Conſtitutionen des Ordens die Vollmacht und den Auftrag hatte, in dringenden Fällen den unfähigen Geſchäftsführer, dem er vorläufig als Aufſeher beigegeben war, zu entſetzen, und einſtweilen an ſeine Stelle zu treten. Der Ehrwürdige Vater täuſchte ſich nicht. Von General abwärts haben die Provincialen und alle Oberen der Geſellſchaft bis zu den Rectoren der Collegien herab neben ſich, oft in den ſcheinbar niedrigſten Stellen verſteckte Leute, welche vollkommen fähig ſind, in einem gegebenen Au⸗ genblicke ſie zu erſetzen, und die darum ſtets und direct mit Rom correſpondiren.

Von dem Angenblicke an, wo Rodin ſich in der beſchriebe⸗ nen Weiſe hingeſtellt hatte, verwandelten ſich plötzlich die ge⸗ wöhnlich ſo ſtolzen Manieren des Marquis. Obwohl es ihm Ueberwindung koſtete, ſagte er zögernd und ehrerbietig: „Sie haben gewiß Vollmacht, mir zu befehlen, mir, der ich bisher Sie unter meinem Befehl gehabt habe?“

Statt zu antworten zog Rodin aus ſeiner ſchmierigen ver⸗ bogenen Brieftaſche ein auf zwei Seiten geſtempeltes zuſam⸗ mengelegtes Papier, auf welchem etliche lateiniſche Zeilen ſtan⸗ den, und reichte es dem Marquis hin. Aigrigny nahm es, las und drückte es ehrerbietig an ſeine Lippen. Dann gab er es ſeinem Soeins zurück und machte ihm eine tiefe Ver⸗ beugung.

Als er den Kopf wieder in die Höhe hob, erſchien ſein Geſicht roth vor Verdruß und vor Scham. Trotz ſeiner Ge⸗ wöhnung an unbedingten Gehorſam und unverbrüchliche Ehr⸗ furcht vor den Geboten des Ordens empfand er einen bittern Ingrimm, ſich ſo plötzlich abgeſetzt zu ſehen. Ein beſonderer Umſtand ſteigerte noch ſeinen Verdruß. Obwohl ſeit langer Zeit das Buhlſchaftsverhältniß zwiſchen ihm und der Fürſtin aufgehört hatte, ſo blieb dieſe doch immer für ihn ein Weib; und in Gegenwart eines Weibes eine ſolche Schlappe zu er⸗ leiden, war ihm doppelt ſchmerzhaft, denn bei ſeinem Eintritt in den Orden hatte er nicht ganz den Weltmann abgelegt.

Die Fürſtin, anſtatt über dieſe plötzliche Verwandlung des Oberen in einen Untergebenen und umgekehrt ſchmerzlich be⸗ rührt oder empört zu erſcheinen, betrachtete Rodin mit Theil⸗ nahme und Spannung. Als Weib, als rückſichtslos ehrgei⸗

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