Plötzlich ſtand Nodin auf, warf die Feder weg und ging langſam nach dem Kamin. Der Marquis hatte ihm wäh⸗ rend des Dictirens den Rücken zugekehrt. Als er ſeinen So⸗ cius aufſtehen und die Feder wegwerfen hörte, wandte er ſich um, ſah ihn betroffen an und fragte: „Ei, was machen Sie denn?“
Rodin ſetzte ſeinen Weg nach dem Kamin fort und mur⸗ melte für ſich: „Ich muß dem Ding ein Ende machen. Der Menſch treibt es zu arg!“
„Was?“ rief der Marquis erſtaunt. „Sie ſchreiben nicht mehr? Sie verlaſſen Ihren Platz?“ Und zu der Fürſtin ge⸗ wandt, welche ſein Erſtaunen theilte, fagte er mit einem ver⸗ achtenden Blick auf ſeinen Socins: „Er verliert ſden Ver⸗ ſtand.“
„Verzeihen Sie ihm,“ erwiederte die Fürſtin. „Der Kum⸗ mer über dieſe Geſchichte iſt Schuld daran.“
„Danken Sie der Frau Fürſtin, geben Sie wieder an Ih⸗ ren Platz und ſchreiben Sie weiter!“ ſagte der Marquis im Ton vornebmen Mitleids und deutete mit gebieteriſcherMiene nach dem Tiſch.
Rodin blieb ganz gleichgültig gegen dieſen Befehl. Er
ſtelte ſich mit dem Rücken wider das Kamin, richtete ſeine
gekrümmte Geſtalt empor, ſtampfte mit ſeinen plumpen, ge⸗ ſchmierten Schuhen auf den Teppich des Saales, verſchränkte die Hände hinter ven Schößen ſeines alten, ſchmierigen Ueber⸗ rocks, und ſab mit aufgeworfenem Kopf dem Pater Aigrigny ſcharf ins Geſicht. Er ſprach dabei kein Wort. Aber die häßlichen Züge ſeines jetzt leicht gerötheten Geſichts, offen⸗ varten plötzlich ein ſolches Bewußtſeyn von Ueberlegenheit, eine ſo tiefe Verachtung gegen den Marquis, eine ſo ruhige Keckheit daß Aigrigny und die Fürftin ganz verwirrt wur⸗ den. Sie füblten, daß dieſer häßliche, ſchmutzige Menſch ihnen überlegen war.
Aigrigny kannte zu gut die Gowohnheiten ſeiner Geſellſchaft,
um zu glanben, daß ſein demüthiger Sekretär fähig ſey, ohne Grund, oder vielmehr ohne ausdrückliche Berechtigung plötz⸗ lich dieſe Miene von Ueberlegenheit anzunehmen. Zu ſpät begriff der Ehrwürdige Vater, daß dieſe untergeordnete Per⸗ ſon wohl zugleich ein Spion und ein wohlerfahrner Gehülfe
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