Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

— 264 —

„Aber läßt ſich kein Proceß gegen die Gültigkeit des Co⸗ dieills führen?“

„Proceß führen? — in dieſer Zeit? Proceß um ein Te⸗ ſtament? Uns ohne Gewißheit des Erfolgs tauſendfachem Geſchrei ausſetzen? Es iſt ſchon ſchlimm genug, daß das Alles ausgeſchwatzt wird. — Ol es iſt entſetzlich! Und in dem Augenblick, wo wir am Ziel waren — nach ſo viel Mühen! Eine Angelegenheit, die mit ſo viel Sorgfalt und Beharrlichkeit 150 Jahre lang verfolgt war!“

„Zweihundert und zwölf Millionen!“ ſagte die Fürſtin „Mit ſolchen Mitteln konnte der Orden ſich nicht bloß im Ausland feſtſetzen. In Frankreich, im Herzen Frankreich's hätte er ſich mit Macht feſtgeſetzt!“

„Ja!“ rief Aigrigny voll Schmerz. „Und durch die Er⸗ ziehung hätten wir uns der ganzen entſtehenden Generation bemächtigt. Es hätte eine unberechenbare politiſche Wichtig⸗ keit gehabt!“ Er ſtampfte mit dem Fuß auf den Boden und fügte hinzu: „Ich ſage Ihnen, es iſt um raſend zu werden! Eine Sache, die ſo klug, ſo geſchickt, mit ſo viel Geduld ge⸗ führt war!“ 3

„Alſo gar keine Hoffnung?“

„Die einzige iſt, daß Gabriel ſeine Schenkung nicht zu⸗ rücknimmt für ſeinen Antheil. Das wäre ſchon etwas be⸗ deutendes, denn ſein Antheil beträgt 30 Millionen.“

„Das iſt ja enorm! Das iſt ja faſt ſo viel, als Sie hoff⸗ ten! Warum verzweifeln Sie denn?“

„Weil offenbar Gabriel gegen ſeine Schenkung Proceß führen wird. So geſetzmäßig ſie auch ſeyn mag, wird er doch Mittel finden, ſie kraftlos zu machen, jetzt, wo er frei, über uns aufgeklärt und von ſeiner Adoptiofamilie umgeben iſt. Ich ſage Ihnen, Alles iſt verloren. Es bleibt uns keine Hoffnung. Ich halte es ſogar für klug, nach Rom zu ſchreiben um die Erlaubniß, Paris einige Zeit zu verlaſſen. Dieſe Stadt iſt mir verhaßt.“ —

„Ja, nun ſehe ich wohl, daß keine Hoffnung mehr iſt, d Sie, lieber Freund, ſich faſt entſchließen zu fliehen.“

Der furchtbare Schlag hatte alle Spannkraft des Geiſtes in dem Marquis gebrochen. Wee vernichtet ſank er auf einen Lehnſtuhl.