— 259 —
„Ich ſage Ihnen“ erklärte der alte Jude mit lauter Stimme, „daß dies Käſtchen nicht eher hinauskommt, als bis der Herr Rotar von dem ihm übergebenen Pergament Ein⸗ ſicht genommen hat.“
Dieſe Worte Samuel's erweckten die algemeine Aufmerk⸗ ſamkeit. Rodin mußte an den Tiſch zurückkehren. Der giftige Blick, den er dem alten Juden zuwarf, machte dieſen trotz ſeiner Feſtigkeit erbeben.
5 Der Notar unterſuchte mit Aufmerkſamkeit das Pergament. 6 „Himmel! Was ſeh' ich!“ rief er. „Vortrefflich!“
Bei dieſem Ausruf wandten ſich Aller Augen nach dem Notar. Samuel rief mit gefalteten Händen: „Ol leſen Sie, leſen Sie Herr Nolar! Vielleicht hat meine Ahnung mich nicht betrogen.“
Aigrigny begann, die Beſorgniſſe Rodin's zu theilen und fragte: „Nun was iſt denn das für ein Papier?“
„Ein Codieill, welches Alles wieder in Frage ſtellt,“ ant⸗ wortete der Notar.
„Was?“ rief der Marquis, wüthend auf den Notar los⸗ gehend. „Alles iſt wieder in Frage geſtelt? Mit welchem Recht?“
„Es iſt nicht möglich!“ fügte Rodin hinzu. „Wir prote⸗ ſtiren!“ „Vater! — — Gabriel!“ rief Agricola. „Hört! Es iſt
nicht Alles verloren. Hörſt Du, Gabriel? Es iſt Hoffnung.“
Gabriel konnte kaum glauben, was er hörte, und fragte:
„Was ſagſt Du?“
„Meine Herren!“ nahm der Notar das Wort, „ich muß Ihnen die Aufſchrift dieſes Umſchlags vorleſen. Sie verän⸗ dert, oder vielmehr ſie vertagt alle teſtamentlichen Verfü⸗ gungen.“
„Agricola fiel ſeinem Adoptivbruder um den Hals und ſagte: „Hörſt Du, Gabriel? Alles iſt aufgeſchoben! nichts iſt verloren!“
„Hören Sie zu, meine Herren,“ fuhr der Notar fort und as:
„Dies iſt ein Codieill, welches aus Gründen, die man unter dieſem Unſchlag auseinandergeſetzt finden wird, die
Ausführung aller Verfügungen, welche in dem von mir


