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bündig, Herr Notar, und machen Sie damit einem für Alle peinlichen Auftritt ein Ende.“
Der Notar erwiederte in feierlichem Ton: „Als getrener, unparteiiſcher Vollſtrecker des letzten Willens des Herrn Ma⸗ rius von Rennepont, erkläre ich auf Pflicht und Gewiſſen im Namen des Rechts und Geſetzes, daß durch die Schen⸗ kung des Herrn Abbé Gabriel von Rennepont Sie, Herr Abbé von Aigrigny, alleiniger Eigenthümer dieſer Güter ſind, in deren Beſiß ich Sie hiermit ſetze, auf daß Sie darüber
nach den Wünſchen des Schenkers verfügen.“ . Dieſe mit Ueberzeugung und Würde geſprochenen Worte,
zerſtreuten die letzten Hoffnungen, welche die Vertheidiger der Erben noch hätten hegen können Samuel ward noch blei⸗ cher, als er gewöhnlich war. Krampfhaft drückte er die Hand ſeiner Frau. Große Thränen rollten über die Wangen der beiden alten Leute. Dagobert und Agricola waren in düſtere Niedergeſchlagenheit verſunken. Die Gründe des Notars, welcher ſagte, er könne ihren Einreden nicht mehr Gewicht beilegen, als die obrigkeitlichen Perſonen gethan hatten, — dieſe Gründe machten ſolchen Eindruck auf ſie, daß ſie nicht abſahen, worauf ſie noch hoffen könnten. Gabriel litt mehr, . als jeder andere. Er empfand die bitterſte Reue bei dem Gedanken, daß er durch ſeine Verblendung die unfreiwillige Urſache und das Werkzeug dieſer ſchändlichen Beraubung war. Der Rotar ſah nochmals in dem Käſtchen nach, wie viel die darin enthaltenen Papiere betrugen, und ſagte dann zu ₰ Aigrigny:, Herr Abbé, nehmen Sie Beſitz von Keſem Käſtchen.“ „Ach!“ rief Gabriel verzweiflungsvoll, „es iſt, als ob hier ein unerbittliches Schickſal auf allen Denen laſtete, die der Theilnahme, der Liebe, der Achtung werth ſind. — O Gott!“ fügte er, die Hände faltend, hinzu, „Deine Gerechtigkeit kann den Sieg einer ſolchen Schändlichkeit nicht zugeben!“
Es ſchien, als erhörte der Himmel dies Gebet. Kaum hatte Gabriel geendet, als eine ungewöhnliche Erſcheinung ſtattfand. Rodin hatte auf das Wort des Notars das Käſt⸗ chen aufgepackt und ſchnaufte vor Wonne. Eben wollte er mit demſelben davongehen, da öffnete ſich die Thür des Ge⸗ 3 machs, in welchem es zwölf Uhr geſchlagen hatte, und eine weibliche Geſtalt erſchien auf der Schwelle. —


