5 6 Aber es handelt ſich um Güter, die armen
Waiſen gehören. Dieſe Waiſen ſind von einem fernen Ver⸗
bannungsort durch meinen Adoptivvater hiehergebracht, und ich will nicht, daß Sie dieſelbe um das Ihrige bringen. Es handelt ſich um den letzten Willen eines Sterbenden, der in
ſeiner glühenden Menſchenliebe ſeinen Nachkommen die Aus⸗
richtung eines evangeliſchen Werks, eines Werks des Fortſchritts,
der Liebe, der Einigung, der Freiheit aufgetragen hat, und ich will nicht, daß dies Werk im Keim erſtickt werde. Nein, nein! Ich
* ſage Ihnen, dies Werk wird ausgerichtet werden, und ſollte ich auch meine Schenkung zurücknehmen.“
Bei dieſen Worten ſahen Aigrigny und ſein Socius ſich einander an und zuckten die Achſeln. Auf ein Zeichen Rodin's nahm der Marquis das Wort und ſprach mit unverwüſtlicher Ruhe langſam in ſalbungsvollem Ton, ſtets die Augen nieder⸗ ſchlagend: Es zeigen ſich bei der Erbſchaftsangelegenheit des Herrn von Rennepont verſchiedene ſcheinbar ſehr verwickelte Punkte, verſchiedene ſcheinbar drohende Phantome. Indeß iſt nichts einfacher und natürlicher als dieſe Geſchichte Gehen wir in Ordnung zu Werk, laſſen wir die verleumderiſchen Beſchuldigungen bei Seite Auf dieſe werden wir zurück⸗
kommen, Herr Abbé Gabriel von Rennepont. Ich bitte den Herrn demüthig, meinen Worten zu widerſprechen und ſie zu berichtigen, wenn ich mich im geringſten von der ſtrengſten Wahrheit entferne. Der Herr Abbé Gabriel hat aus Erkennt⸗ lichkeit für die von der Geſellſchaft, welcher anzugehören ich ſtolz bin, ihm zu Theil gewordene Pflege, mir als Repräſen⸗ tanten der Geſellſchaft freiwillig die Güter geſchenkt, welche ihm eines Tags zufallen könnten, und deren Werth er ſo wenig wie ich kannte.“ Aigrigny warf dem jungen Prieſter einen fragenden Blick zu, und Gabriel erwiederte: „Es iſt wahr; ich habe dies Ge⸗ ſchenk freiwillig gemacht.“ „Dieſen Morgen,“ fuhr der Marquis fort, „nach einer ganz vertraulichen Beſprechung, deren Inhalt ich verſchweige, überzeugt, daß Herr Abbé Gabriel es zufrieden iſt — —“
„In der That,“ bemerkte Gabriel, „auf den Gegenſtand die⸗ ſer Unterredung kommt es nicht an.“
„Alſo in Folge dieſer Unterredung hat der Herr Abbé Ga⸗


