Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
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hatten auf vierzig Millionen gerechnet. Dieſe ſchon unge⸗ heure Summe war verfünffacht. Gabriel, unbekannt mit den Wundern der Capitaliſativn, hatte während der Vorleſung des Teſtaments das Vermögen auf drei bis vier Millionen ge⸗ ſchätzt. Bei der ungeheuren Ziffer, die Samuel nannte,

ſchwindelte ihm. Und trotz ſeiner Uneigennützigkeit und Ehr⸗

lichkeit verlor er doch faſt den Kopf bei dem Gedanken, daß das unermeßliche Vermögen ihm, ihm allein hätte gehören können Der Notar, faſt eben ſo erſtaunt wie er, prüfte den Kaſſenbeſtand und ſchien kaum ſeinen Augen zu trauen. Der Jude, gleichfalls ſtumm, war in den ſchmerzlichen Gedanken verſunken, daß kein anderer Erbe ſich einſtellte.

Während dieſes tiefen Schweigens begann die im Neben⸗ zimmer ſtehende Uhr langſam zwölf zu ſchlagen. Samuel erbebte und ſtieß einen tiefen Seufzer aus. Noch einige Secunden, und die unerſtreckliche Friſt war abgelaufen. Ro⸗ din, Aigrigny, Gabriel und der Notar waren ſo tief ergriffen, daß keinem von ihnen einfiel, wie ſonderbar es ſey, dieſe Uhr ſchlagen zu hören.

„Zwölf!“ rief Rodin und fuhr unwillkürlich mit beiden Händen auf das Käſtchen, wie um Beſitz davon zu nehmen.

„Endlich!“ rief Aigrigny mit einem unbeſchreiblichen Aus⸗ druck trunkener Wonne. Und dann fiel er dem jungen Prie⸗ ſter um den Hals, küßte ihn entzückt und ſagte: „O, mein lieber Sohn, Sie ſind ein Sanct Vincenz de Paula! Sie werden heilig geſprochen: ich ſchwöre es Ihnen.“

„Laſſen Sie uns vor allen Dingen der Vorſehung danken,“ ſagte Rodin in ernſtem Ton und fiel auf die Knie. „Laſſen Sie uns der Vorſehung danken, daß ſie verſtattet, ſo großes Gut zur Ehre des Herrn zu verwenden.“

Der Pater Aigrigny küßte Gabriel nochmals, faßte ihn bei der Hand und ſprach: „Rodin hat Recht. Auf die Knie, mein lieber Sohn! und laſſen Sie uns der Vorſehung danken!“ Bei dieſen Worten kniete er und zog Gabriel mit ſich nieder, der den Kopf verloren hatte und gedankenlos die Knie beugte.

Der letzte Schlag zwölf ertönte. Alle drei ſtanden auf.

Der Notar, ergriffen von dem Außerordentlichen und Feier⸗ lichen dieſes Auftritts, nahm das Wort und ſprach; „Da kein