den üblichen Förmlichkeiten dies Teſtament verſiegelt nie⸗ derlegen.
„Dies iſt mein letzter Wille. Seine Erfüllung ſtelle ich unter den Schutz der Vorſehung. Gott kann nicht an⸗ ders, als dieſe Wünſche der Liebe, des Friedens, der Eini⸗ gung und Freiheit beſchützen.
„Da dies myſtiſche *) Teſtament von mir frei gemacht und ganz von meiner Hand geſchrieben iſt, ſo will ich, daß es gewiſſenhaft ſeinem Geiſt und ſeinem Buchſtaben gemäß vollzogen werde.
„Den 13. Februar 1682, um ein Uhr Nachmittags. Marius von Rennepont.“
Während der Notar das Teſtament las, war Gabriel von mannigfachen ſchmerzlichen Empfindungen bewegt. Anfangs hatte er, wie ſchon geſagt iſt, es ſonderbar gefunden, daß der Zufall wollte, daß dies unermeßliche, von einem Opfer der Jeſuiten herrührende Vermögen durch die von ihm er⸗ neuerte Schenkung in die Hände der Jeſuiten fiel. Seine edle, liebevolle Seele ermaß dann, welche wundervolle Wirk⸗ ſamkeit die von Marius von Rennepont ſo dringend empfoh⸗ lene Verbrüderung der Familie Rennepont hätte haben können. Mit tiefem Schmerz dachte er daran, daß durch ſeine Ver⸗ zichtleiſtung und durch die Abweſenheit jedes andern Erben dieſer große Gedanke unausführbar war, und daß dies ſeine Erwartung ſo ſehr übertreffende Vermögen in die Hände einer verderbten Geſellſchaft fiele und ein Mittel würde, großes Unheil anzurichten. Aber die Seele Gabriel's war ſo rein, daß er nicht das geringſte perſönliche Bedauern fühlte bei der Andeutung, die er von dem großen Werth der von ihm abgetretenen Güter erhielt. Er gefiel ſich ſogar in der Gegeneinanderſtellung des großen Reichthums, welcher ihm beinahe zugefallen wäre, und des beſcheidenen Pfarrhauſes, in welchem er demnächſt zu leben hoffte in Ausübung der heiligſten evangeliſchen Tugenden.
Dieſe Gedanken durchkreuzten ſich in Gabriel's Kopf. Der Anblick des Bildes der Frau, die im Teſtament enthaltenen
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*) Dies iſt die juriſtiſche Benennung.


