„Die Mayeur?“ fragte Florine verwundert. „Ja,“ antwortete die Nätherin traurig lächelnd. „Dieſen einamen gibt mir jedermann. Und,“ fuhr ſie, mit einer
Thräne im Auge, fort, „der körperliche Fehler, auf welchen
dieſer Beiname anſpielt, macht mich eben bedenklich, außer dem Haus auf Arbeit zu gehen. Es gibt Leute, die einen verhöhnen, ohne zu wiſſen, wie weh' ſie einem thun. Aber,“ ſchloß ſie, die Thränen abwiſchend, „ich habe keine Wahl; ich will mich darein ergeben.“
Florine ergriff ſchmerzlich bewegt die Hand der Maheur und ſagte: „beruhigen Sie ſich. Es gibt Unglück, welches
nur Mitleid einflößen, nicht Spott veranlaſſen kann. Darf
ich Sie um Ihren wahren Namen fragen?“ .
„Ich heiße Magdalene Soliveau; aber ich wiederhole Ihnen, fragen Sie nur nach der Mahyeux, denn nur unter dieſem Namen bin ich bekannt.“
„Ich werde alſo morgen Mittag in die Briſe⸗Miche⸗Gaſſe kommen.“
„Wie kann ich Ihnen für Ihre Güte danken?“ fragte die Mayeur gerührt. x.
„Kein Wort davon! Mein einziger Wunſch iſt, meine Ver⸗ mittlung möge Ihnen von Nutzen ſeyn, und darüber werden nur Sie urtheilen können. Dem Herrn Baudoin antworten Sie nicht. Warten Sie, bis er aus dem Gefängniß kommt, und dann ſagen Sie ihm (merken Sie das wohl), daß ſeine Offenbarungen ein Geheimniß bleiben müſſen, bis er mein
armes Fräulein ſprechen kann.“
„Und wo iſt das gute Fräulein jetzt?“
„Das iſt mir unbekannt. Ich weiß nicht, wohin man ſie gebracht hat, nachdem ihre Krankheit zum Ausbruch gekommen. Alſo Sie erwarten mich morgen.“
„Morgen,“ erwiederte die Mayeux.
Der Leſer weiß, daß in dem Kloſter zu Sanct Marien, wohin Florine pie Maheux führen wollte, die Töchter des Generals Simon eingeſperrt waren, und daß dies Kloſter ganz in der Nähe des Krankenhauſes des Doctor Baleſnier ſtand, in welchem ſich Adriana von Cardoville befand.
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