Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
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Die Nätherin ſenkte das Haupt und antwortete nicht. Ihr Stolz machte ihr faſt dieſe Mittheilung zum Vorwurf, welche einer Klage ähnlich ſah.

„Wenn es ſo iſt,“ fuhr Florine fort, ſo bedaure ich Sie von Herzen. Und doch — wer weiß, ob mein Unglück nicht größer iſt, als das Ihrige.“ Sie beſann ſich einen Augenblick

und rief dann plötzlich: „Da fällt mir ein, wenn Sie keine Arbeit haben, wenn Ihnen jede Hülfe mangelt — ſo kann

ich Ihnen hoffentlich Arbeit verſchaffen.“

„Iſt's möglich?“ erwiederte die Mayeux. „Ich würde nie gewagt haben, Sie um einen ſolchen Dienſt anzuſprechen, ob⸗ wohl derſelbe mich retten würde. Aber Ihr edelmüthiges Anerbieten fordert mich zu vertrauter Mittheilung auf. Ich geſtehe Ihnen, daß ich dieſen Morgen eine nicht eben ſehr vortheilhafte Arbeit verloren habe, die mir vier Franken wöchentlich eintrug.“

„Vier Franken wöchentlich?“ wiederholte Florine, kaum ihren Ohren trauend.

„Das war freilich wenig,“ fuhr die Mayeux fort. „Allein

es genügt mir. Leider findet die Perſon, welche mir Beſchäf⸗ tigung gab, Gelegenheit, die Arbeit noch wohlfeiler gemacht zu bekommen.“

„Vier Franken wöchentlich!“ wiederholte das Kammermäd⸗ chen, tief gerührt über ſo viel Elend und Ergebung. „Nun, ich will Sie an Leute weiſen, welche Ihnen einen Verdienſt vyn zwei Franken täglich verſchaffen.“

„Ich könnte zwei Franken täglich verdienen? Iſt's möglich?“

„Ganz gewiß. Nur müßten Sie im Taglohn arbeiten, oder Sie müßten als Magd Dienſt nehmen wollen.“

„In meiner Lage,“ erwiederte die Mayeur mit einer Miſchung von Stolz und Schüchternheit, darf man freilich nicht empfind⸗ lich ſeyn.. Ich verſchmähe es nicht, im Taglohn zu arbeiten, denn das Leben geht Allem vor. Aber man verlangt von den Tagarbeiterinnen, daß ſie, wenn auch nicht zierlich, doch anſtändig gekleidet ſeyen; und ich geſtehe Ihnen, ohne mich zu ſchämen — denn meine Armuth ſchändet nicht — daß ich nicht beſſer gekleidet ſeyn kann, als ich es bin.“

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„Um Gottes willen! iſt es dahin mit Ihnen gekommen?“ rief Florine, die Mayeux mit beſorgter Theilnahme betrachtend.