wieder geneſen, ſo ſagen Sie Ihrem Adoptivbruder, es ſey
beſſer, daß er ſein Geheimniß für ſich behalte, als daß er es den Feinden meiner Gebieterin dienen laſſe, was unfehlbar der Fall ſeyn würde.“
„Ich verſtehe Sie,“ erwiederte die Mayeux niedergeſchlagen „Die Familie Ihrer edelmüthigen Gebieterin liebt dieſelbe nicht und hat ſie vielleicht verfolgt.“
„Ich kann Ihnen darüber nichts weiter ſagen. Was mich betrifft, ſo beſchwör' ich Sie, verſprechen Sie mir, Herrn Baudvin zu beſtimmen, daß er keinem Menſchen etwas ſagt, von dem Schritt, den Sie bei mir gethan haben, und von dem Rath, den ich Ihnen gebe. Das Glück — nicht das Glück,“ ſagte berichtigend Florine, als ob ſie ſchon lange auf die Hoffnung, glücklich zu ſeyn, verzichtet hätte, — „dis Ruhe meines Lebens hängt davon ab, daß Sie das Geheimniß be⸗ wahren.“
„Seyn Sie außer Sorgen!“ erwiederte die Mayeur, be⸗ troffen und gerührt von dem ſchmerzlichen Ausdruck in dem Geſicht Florinens. „Niemand außer Agrievla ſoll erfahren, daß ich Sie geſehen habe.“
„Dank, herzlichen Dank!“ ſagte Florine.
„Sie danken mir?“ fragte die Mayeux, erſtaunt Thränen in den Augen des Kammermädchens zu ſehen.
„Ja,“ antwortete Florine. „Ich verdanke Ihnen einen Au⸗ (
genblick reinen, ungemiſchten Glücks. Denn ich habe vielleicht meinem Fräulein einen Dienſt geleiſtet, ohne Gefahr, den Kummer zu vermehren, der mich ſchon drückt.“
„Sie ſind unglücklich?“ fragte die Nätherin.
„Wundert Sie das? Welches auch Ihr Lvos ſeyn möge, ich würde es mit dem meinigen vertauſchen,“ ſagte Florine faſt unwillkürlich.
„Ach!“ erwiederte die Mayeux, „Sie haben ein zu gutes Herz, als daß ich Sie einen ſolchen Wunſch hegen laſſen möchte.“
„Was wollen Sie damit ſagen?“
„O!“ antwortete die Nätherin mit Schmerz, „ich hoffe von
ganzer Seele, Sie möchten nie an Sich erfahren, wie entſetz⸗ lich es iſt, ſich ohne Arbeit zu ſehen, wenn man nur von der Arbeit lebt.“


