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„Aber, um zu leben? arme Cephiſe! Um zu leben?“ „Ich will Muth faſſen. Ich will bei meiner Schweſter wohnen, wie ehedem. Ich will mit ihr arbeiten; das wird mir immer Brod geben. Ich will nicht anders ausgehen, als um Dich zu beſuchen. In einigen Tagen wird der Mäk⸗ ler überlegen, daß Du ihm die zehntauſend Franken nicht bezahlen kannſt, und Dich in Freiheit ſetzen. Ich werde mich dann wieder an die Arbeit gewöhnt haben. Du ſollſt ſehen, Du ſollſt ſehen! Du wirſt Dich ebenfalls wieder daran ge⸗ wöhnen. Dann werden wir arm, aber zufrieden leben, und denken: Ein halbes Jahr lang haben wir es uns recht wohl ſeyn laſſen, während ſo viele Andere ihr Lebenlang nicht erfahren, wie das Verßnügen ſchmeckt. Glaube mir, lieber Jakob, was ich Dir ſage, iſt wahr. Ich bin jetzt ge⸗ witzigt. Wenn Du mich lieb haſt, ſo ſey außer Sorgen. Ich ſage Dir, lieber will ich hundert Mal ſterben, als einen an⸗ dern Liebhaber nehmen.“
„Küſſe mich!“ ſagte Jakob mit Thränen in den Augen. „Ich glaube Dir. Du gibſt mir neuen Muth — für jetzt und für die Zukunft. Du haſt Recht. Wir müſſen ſuchen, uns wieder an die Arbeit zu gewöhnen. Wo nicht — — muß der Scheffel Kohlen des Vetters Arſentus — — Denn ſieh',“ fuhr er mit leiſer, zitternder Stimme fort, „ſeit ſechs Monaten war ich wie betrunken. Jetzt werde ich nüchtern, und ſehe, auf welchem Weg wir waren. Wenn unſer Geld zu Ende geweſen wäre, ſo würde ich vielleicht ein Dieb ge⸗ worden ſeyn, und Du eine — — —“
„O, Jakob, Du machſt mir Angſt.“ unterbrach Cephiſe. „Sage das nicht. Ich ſchwöre Dir, ich will zu meiner Schwe⸗ ſter zurückkehren und arbeiten. Ich werde Muth haben.“
Die Königin Bacchanal war in dieſem Augenblick aufrich⸗ tig. Sie wollte ihr Wort halten. Ihr Herz war noch nicht
ganz verdorben. Notb und Elend waren für ſie, wie für ſo
viele Andere die Urſache und ſelbſt die Entſchuldigung ihrer Verirrung geweſen. Bis dahin war ſie wenigſtens immer dem Zug ihres Herzens gefolgt, ohne gemeine Nebenabſichten käuflicher Seelen. Die ſchreckliche Lage, in welcher ſie ihren
Geliebten ſah, ſteigerte noch ihre Liebe. Sie glaubte ihrer
ſelbſt hinlänglich ſicher zu feyn, um ihm verſprechen zu kön⸗


