Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

„Er denkt nach!“ rief Roſe Pompon. „Aufgeſchaut! Er denkt nach.“

„Er denkt nach, folglich iſt er krank,“ ſagte ein Anderer.

„Ueber was denkt er nach?“ fragte ein Dritter. „Ueber einen Negertanz?“

„Ueber eine anaerevntiſche verbotene Stellung?“

„Ja, ich denke nach,“ erwiederte Dumvulin ernſthaft. „Ich denke nach über den Wein im Allgemeinen und im Beſondern, über den Wein, von welchem der göttliche Boſſuet,“ (Boſſuet pflegte er in der Trunkenheit zu citiren) „der Kenner Boſſuet ſagt: Im Wein iſt der Muth, die Kraft, die Freude, die geiſtige Trunkenheit *) — verſteht ſich wenn man Geiſt hat.“

„Wenn er ſo ſpricht, dann verehr' ich Deinen Boſſuet,“ bemerkte Roſe Pompon.

„Was meine ſpecielle Meditation betrifft,“ fuhr Dumvulin fort, „ſo hat ſie zum Gegenſtand die Frage, ob der Wein auf der Hochzeit zu Cana weiß oder roth war. Ich prüfe bald den rothen, bald den weißen, bald alle beide.“

„Das heißt, der Frage auf den Grund gehn,“ bemerkte Liegganznackt.

„Und beſonders auf den Grund der Flaſchen,“ fügte die Königin Baecchanal hinzu.

„Wie Ihr ſagt, Majeſtät; und ſchon habe ich durch Ver⸗ ſuche und Forſchungen eine große Entdeckung gemacht, nämlich: daß, wenn der Wein auf der Hochzeit zu Cana roth war — —“

„Er nicht weiß war,“ ergänzte Roſe Pompon.

„Wenn ich aber zur Ueberzeugung gelangte, daß er weder roth noch weiß war?“ fragte Bumoulin im Schulmeiſtertvn.

„So wäre zu ſchließen, daß Du knüll biſt, Knöllchen,“ antwortete Liegganznackt.

„Der Gemahl der Königin hat Recht. So gehrh wenn man allzugroßen Durſt nach Weisheit hat. Aber einerlei! Mit anhaltendem Studiren über dieſe Frage, der ich mein Leben geweiht habe, werde ich das Ende meiner ehrenvollen Lauf⸗

bahn erreichen, indem ich meinem Durſt eine genugſam hiſtr⸗

*) Boſſuet, Betrachtungen über das Evangelium. Sechſter Tag. Band 4.