Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
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zige und nachſichtige Mayeux vorerſt nur daran dachte, ſie zu tröſten und aufzurichten. „Indem Du ſie ein Jahr lang muthig er⸗ tragen,“ erwiederte ſie gerührt, „haſt Du mehr Verdienſt als ich, wenn ich ſie mein ganzes Leben erdulde.“

„O, ſage das nicht, Schweſter!“

„Offen geſprochen,“ erwiederte die Mayeux, „welchen Ver⸗ ſuchungen iſt ein Geſchöpf wie ich ausgeſetzt? Suche ich nicht von ſelbſt die Einſamkeit und Verborgenheit eben ſo ſehr, wie Du Dich zu einem Leben rauſchender Vergnügen hinge⸗ zogen fühlſt? Welche Bedürfniſſe habe ich armſeliges Ge⸗ ſchöpf. Wenig genügt mir.“

„Und das Wenige haſt Du nicht immer.“

„Allerdings nicht. Aber es gibt Entbehrungen, die ich trotz meiner Schwächlichkeit und Kränklichkeit beſſer ertrage als Du. Der Hunger verurſacht mir eine Art Erſtarrung, die in großer Schwäche endet. Du biſt ſtark und voll Leben. Dich reizt der Hunger auf und macht Dich wie wahnſinnig. Erinnere Dich nur. Wie oft habe ich Dich in dieſer ver⸗ zweifelten Stimmung geſehen, wenn wir in unſerer eiskalten Dachkammer bei mangelnder Beſchäftigung keine vier Franken die Woche verdienen konnten und nichts — gar nichts zu eſſen hatten, da wir zu ſtolz waren, die Nachbarn anzu⸗ ſprechen.“

„Dieſer Stolz hat wenigſtens Dich bewahrt,“ bemerkte Cephiſe.

„Und haſt Du nicht auch gekämpft, ſo lange ein menſchli⸗ ches Geſchöpf kämpfen kann? Die Kräfte haben ein Ziel. Ich kenne Dich, Cephiſe. Dem Hunger vornehmlich haſt Du nachgegeben und der peinlichen Nothwendigkeit einer raſtloſen Arbeit, welche Dir nicht einmal die Befriedigung der drin⸗ gendſten Bedürfniſſe verſchaffte.“

„Aber Du haſt dieſe Entbehrungen ertragen, und Du er⸗ trägſt ſie noch.“ 8 „Kannſt Du Dich mit mir pergleichen? Komm!“ ſagte die

Mayeux, ihre Schweſter bei Hand faſſend und vor einen über einem Canape hängenden Spiegel führend. „Betrachte Dich darin. Indem Gott Dich ſo ſchön ſchuf, Dir ein ſo heißes Blut, einen ſo heiteren, beweglichen, vergnügungsluſti⸗ gen Sinn gab, war ſein Wille wohl nicht, daß Deine Jugend