Frau haben bis jetzt nur ſie ſelber blosgeſtellt. Ich muß ſie zu dem königlichen Procurator führen, und dieſer wird das Weitere verfügen.“
„Und ich, Herr Commiſſär, ſage Ihnen, daß meine Frau nicht aus dieſem Zimmer kommt!“ rief Dagobert in drohen⸗ dem Ton.
„Herr Baudoin,“ verſetzte der Beamte kaltblütig, „ich be⸗ greife Ihren Unmuth. Aber um der Ergründung der Wahr⸗ heit willen, bitte ich Sie, widerſetzen Sie ſich nicht einer Maßregel, die zu verhindern Sie in zehn Minuten ſchlechter⸗
dings außer Stand ſeyn würden.“
Dieſe mit Ruhe ausgeſprochenen Worte brachten den alten Soldaten zur Beſinnung. „Aber, Herr Commiſſär,“ rief er, „ich klage ja nicht meine Frau an!“
„Laß es geſchehen, lieber Freund, und bekümmere Dich nicht um mich,“ ſagte die Dulderin mit gottſeliger Ergebung. „Der Herr will mich noch hart prüfen. Ich bin ſeine unwürdige Magd. Ich muß ſeine Fügungen mit Dank annehmen. Wenn der Herr Commiſſär mich verhaften will, ſo mag er's thun. Ich werde im Gefängniß nicht mehr ſagen, als ich hier geſagt habe in Betreff dieſer armen Kinder.“
„Herr Commiſſär!“ rief Dagobert, „Sie hören ja, daß . meine arme Frau nicht bei Sinnen iſt. Wie können Sie dieſelbe verhaften?“ „Es liegt durchaus keine Thatſache, kein Beweis, kein An⸗ zeichen gegen die Perſon vor, welche Sie beſchuldigen und zu deren Gunſten ſchon ihre Amtswürde ſpricht. Laſſen Sie mich
Ihre Frau fortführen. Vielleicht wird ſie Ihnen nach einem
erſten Verhör zurückgegeben. Ich bedaure, Herr Bandvin, daß ich ein ſolches Geſchäft zu vollziehen habe in einem Au⸗
genblick, wo die Verhaftung Ihres Sohnes Ihnen — —“ „Was?“ unterbrach Dagobert, ſeine Frau und die Mayeur
voll Beſtürzung anſehend, „was ſagt er? — — Mein
Sohn — —“
„Sie wußten es nicht?“ rief der Beamte, ſchmerzlich er⸗ griffen. „O, verzeihen Sie! Es thut mir in der Seele weh, Ihnen eine ſolche Kunde zu geben.“ „Mein Sohn!“ rief Dagobert, mit beiden Händen an die Stirn fahrend. „Mein Sohn! — — verhaftet!“


