— 163 — einfach und unbefangen: „Ja, lieber Herr; das hab' ich mei⸗ nem Mann geantwortet.“
Der Beamte machte eine Gebärde faſt ſchmerzlicher Ueber⸗ raſchung „Wie?“ ſprach er; „auf alle Bitten und auf alles Zureden Ihres Mannes haben Sie keine andere Antwort geben können? Sie haben verweigert, ihm irgend eine Auskunft zu geben? Das iſt ja weder wahrſcheinlich, noch möglich!“
„Es iſt aber doch die Wahrheit, lieber Herr.“
„Aber, Frau Baudoin, was iſt denn aus den Kindern ge⸗ worden, die man Ihnen anvertraut hat?“
„Ich kann ja nichts darüber ſagen, lieber Herr. Wenn ich meinem armen Mann keine Antwort gegeben habe, ſo werde ich doch gewiß niemand anderm antworten.“
„Nun, Herr Commiſſär,“ nahm Dagobert das Wort, „hatte ich Recht? Eine ehrliche, vortreffliche Frau, die immer ver⸗ nünftig und liebevoll gegen die Ihrigen iſt, führt eine ſolche Sprache! Geht das mit rechten Dingen zu? Ich wiederhole Ihnen, Herr Commiſſär, es iſt eine Beichtvatergeſchichte.
Laſſen Sie uns raſch und ſcharf dem Pfaffen zu Leibe gehn,
und wir werden Alles erfahren und meine armen Kinder werden mir wiedergegeben werden.“
Mit einiger Rührung ſagte der Polizeicommiſſär zu der alten Frau: „Frau Baudvin, ich muß mit Strenge zu Ih⸗ nen ſprechen. Meine Pflicht nöthigt mich dazu. Die Ge⸗ ſchichte verwickelt ſich dergeſtalt und wird ſo ernſt, daß ich auf der Stelle die Sache bei Gericht anhängig machen muß. Sie geben zu, daß dieſe Mädchen Ihnen anvertraut worden ſind, und Sie können dieſelben nicht aufweiſen. Nun hören Sie mich wohl an! Weigern Sie ſich ferner, Aufklärung in Betreff derſelben zu geben, ſo werden Sie allein der Schuld an deren Verſchwinden angeklagt. Und zu meinem großen Bedauern wäre ich genöthigt, Sie zu verhaften.“
„Mich?“ rief die alte Frau mit Entſetzen.
„Sie?“ rief Dagobert. „Nein! nochmals ſage ich; ihren Beichtvater klage ich an und nicht ſie. — Meine arme Frau verhaften!“ Und er eilte auf ſie zu, wie um ſie zu beſchützen.
„Herr Baudoin,“ ſagte der Commiſſär, „es iſt zu ſpät; Sie haben bei mir Ihre Klage wegen der Entführung der zwei Mädchen angebracht. Die eignen Erklärungen Ihrer


