Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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Kind! Verzeihe! verzeihe! um unſertwillen haſt Du dieſe Schmach erduldet.“ Und ſie umarmte und küßteßſie liebevoll.

„Sie ſehen, Herr Commiſſär, ich habe nicht geſtohlen⸗ ſagte die Mayeur.

„Alſo, Frau Baudoin,“ fragte der Commiſſär, „der ſilberne Becher, der Shawl, die Leintücher in dieſem Pack — —“

„Gehören mir,“ ergänzte Franeisca. „Aus Gefälligkeit gegen mich hat dies liebe, gute, ehrliche Kind ſich die Mühe genommen, dieſe Sachen ins Pfandhaus zu tragen.“

„Hören Sie,“ ſprach der Beamte in ſtrengem Ton zum Poltzeidiener, „Sie haben einen beklagenswerthen Irrthum begangen. Ich werde Bericht darüber erſtatten und auf Ihre Beſtrafung dringen. Gehen Sie fort! — Liebes Kind!“ fuhr er mit dem Ausdruck wabren Bedauerns fort, „leider kann ich nichts weiter thun, als Ihnen meine aufrichtige Betrübniß über das Vorgefallene verſichern. Seyn Sie überzeugt von meinem Mitgefühl für das Schmerzliche, was in dieſem Miß⸗ griff für Sie liegt.“

„Ich glaube es, Herr Commiſſär,“ antwortete das Mäd⸗ chen, „und ich danke Ihnen dafür.“ Sie ſetzte ſich nieder, denn nach ſo vielen Erſchütterungen waren ihre Kräfte und ihr Muth erſchöpſt.

Der Beamte wollte weggeben. Dagobert, der bisber reif⸗ lich nachgedacht hatte, redete ihn mit feſter Stimme an: „Herr Commiſſär, hören Sie mir gefälligſt zu. Ich habe eine Ausſage vor Ihnen zu machen.“

„Reden Sie,“ erwiederte der Polizeicommiſſär.

„Was ich Ihnen ſagen will, iſt höchſt wichtig. Ich mache meine Slörung vor Ihnen, als einer damit Sie dieſelbe zu den Akien nehmen.“

„Als Amtsperſon höre ich Sie an,“ erwiederte der Com⸗ miſſär.

„Vorgeſtern“ begann Dagobert, „bin ich hier angekommen und habe aus Rußland zwei junge Frauenzimmer mitgebracht, die mir von ihrer Mutter, der Frau des Herrn Marſchalls Simon, anvertraut waren.“

„Des Herrn Marſchalls Herzogs von Ligny?“ unterbrach der Comm ſſär betroffen.“

„Ja, Herr Commiſſär. Geſtern habe ich ſie hier zurückge⸗