Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

—

welche den Chriſtus am Kreuz betrachtete und dachte, auch ihr ſey ein ſchweres Kreuz aufgelegt. Er begann von Neuem: „Aus der Weiſe, wie Du geſprochen haſt, habe ich gleich ge⸗ ſehen, daß nichts vorgefallen iſt, was die Geſundheit der Kin⸗ der bedroht.“

„Ach nein!“ rief Francisca. „Sie befinden ſich, Gott ſey Dank, wohl. Das iſt Alles, was ich Dir ſagen kann.“

„Sind ſie allein ausgegangen?“

„Ich kann Dir's nicht ſagen.“

„Hat ſie jemand mitgenommen?

„Ach, lieber Freund, warum fragſt Du mich. Ich kann Dir ja nicht antworten.“

„Werden ſie hieher zurückkommen?“

„Ich weiß es nicht.“

Dagobert ſprang abermals auf, und abermals wollte ihm die Geduld ausgehen. Er ging einige Schritte in der Stube herum und ſetzte ſich wieder. „Aber,“ ſagte er, „Du kannſt doch keinen Vortheil davon haben, mir zu verheimlichen, was aus den Kindern geworden iſt Warum weigerſt Du Dich, es mir zu ſagen?“

„Weil ich nicht anders kann.“

„Ich glaube aber doch, Du kannſt, wenn Du etwas erfährſt, was Du mich zwingſt, Dir zu ſagen. Höre mir zu. Wenn

dieſe Kinder nicht den Tag vor dem dreizehnten Fe⸗

bruar mir zurückgegeben werden, — Du ſiehſt alſo, es hat Eile — ſo bringſt Bu mich gegen die Töchter des Marſchalls Simon in die Lage eines Menſchen, der ſie beſtohlen, beraubt hätte — hörſt Du, beſtohlen! — Und doch hatte ich Alles gethan, was ein ehrlicher Mann thun kann, um dieſe armen Kinder hieher zu bringen. Du weißt nicht, was ich unterwegs ausgeſtanden habe, welche Sorgen, welche Unruhe. Ich, ein alter Soldat, mit zwei Mädchen beladen — ich konnte es nur mit Selbſtverleugnung zu Stande bringen. Und jetzt,

wo ich meinen Lohn darin ſuchte, ihrem Vater ſagen zu kön⸗ nen: hier ſind Ihre Kinder — —“

Thränen erſtickten die Stimme des alten Kriegers. Der Ton, in welchem er geſprochen hatte, wollte der alten Frau das Herz brechen, und beim Anblick der Thränen, welche in ſeinen grauen Bart rannen, begann ihr Entſchluß zu wanken.