Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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fen, und er wäre nicht heftiger erſchüttert worden. Er er⸗ bleichte Seine kahle Stirn bedeckte ſich mit kaltem Schweiß. Mit ſtarrem, mattem Blick ſtand er einige Sekunden ſtumm, regungslos wie verſteinert da. Plötzlich aber fuhr er aus ſeiner Erſtarrung auf, faßte ſeine Frau bei den Schultern, hob ſie auf wie eine Feder, und ſellte ſie vor ſich hin. Und nun ſchrie er ihr im Ton furchtbarer Verzweiflung zu: „Die Kinder!“

„Gnade! Gnade!“ ſtammelte die Alte mit matter Stimme.

„Wo ſind die Kinder?“ wiederholte Dagobert, das ſchwache Geſchöpf in ſeinen kräftigen Händen ſchüttelnd. „Willſt Du antworten? Die Kinder!“

„Tödte mich — oder verzeihe mir. Ich kann Dir nicht ant⸗ worten,“ erwiederte die Unglückliche mit der Zähigkeit, die ängſtliche Menſchen beweiſen, wenn ſie recht zu thun glauben.

„Unglückliche!“ rief Dagobert und hob ſein Weib in die

Höhe, als wollte er ſie auf dem Fußboden zerſchmettern. Aber er war zu gut, um eine ſolche Grauſamkeit zu begehen. Nach dieſem Ausbruch der Wuth ließ er ſeine Frau los. Sie ſank auf die Knie und faltete die Hände. An der ſchwachen Be⸗ wegung ihrer Lippen ſah man, daß ſie betete. Dem alten Soldaten ſchwindelte es. Er ſtand wie betäubt da. Was er erfahren hatte, war ihm ſo plötzlich gekommen, ſo unbegreiflich, daß er einige Minuten brauchte, um ſich wie⸗ der zu faſſen und ſich zu überzeugen, daß ſeine Frau, dies engelgute, hingebende Weſen, ſie, die wußte, was ihm die Töchter des Marſchalls Simon waren, ihm wirklich geſagt hatte: „Frage mich nicht, was aus ihnen geworden iſt; ich kann Dir nicht antworten.“ — In einem ſo unerklärlichen, entſetzlichen Fall würde der ſtärkſte Geiſt ſeine Faſſung ver⸗ loren haben.

Nachdem Dagobert wieder etwas ruhiger geworden war und fähig, nachzudenken, ſtellte er folgende vernünftige Be⸗ trachtungen an: „Nur meine Frau kann mir dies Räthſel löſen. Ich will ſie weder ſchlagen noch umbringen. Ich muß alle möglichen Mittel anwenden, um ſie zum Reden zu bringen, und vornehmlich mich im Zaum halten.“ Er nahm einen Stuhl, deutete ſeiner noch immer knieenden Frau auf einez/ andern und ſagte: „Setze Dich.“