Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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„Haſt Du die Mayeux geſehen? Haſt Du ihre Freilaſſung begehrt?“ fragte Francisca, einen Augenblick ihre Beängſti⸗ gungen vergeſſend.

„Ja, ich habe ſie geſehen,“ antwortete Dagobert. „Aber in welchem Zuſtand! Es war herzbrechend. Ich habe ihre Freilaſſung begehrt, und mit Nachdruck — darauf kannſt Du Dich verlaſſen. Allein da hieß es: Erſt muß der Commiſſär zu Ihnen gehen, um — —“ Dagobert unterbrach ſich, blickte im Zimmer umher und fragte: „Ei, wo ſind denn die Kinder?“

Die alte Frau überlief es eiskalt. Mit ſchwacher Stimme erwiederte ſie: „Lieber Freund, ich“ — — Die Stimme ver⸗ ſagte ihr

„Wo ſind Roſa und Blanca? Gib Antwort! — Freuden⸗ ſtörer iſt auch nicht da.“

„Werde nicht böſe,“ bat die alte Frau.

„Mach's kurz!“ ſagte Dagobert. „Du wirſt ſie mit einer Nachbarin haben ausgehen laſſen. Warun biſt Du nicht ſel⸗ ber mit ihnen gegangen? Oder warum haſt Du ihnen nicht geſagt, ſie möchten bis zu meiner Rückkehr warten, wenn ſie Luſt hätten, ein wenig auszugehen — was freilich natürlich war, denn dieſe Stube iſt trübſelig. Ich wundere mich aber,

daß ſie nicht gewartet haben, bis ſie Nachricht von der guten Mayeur hatten, denn ſie haben Engelherzen. — Aber Du biſt ja ganz bleich! Was fehlt Dir denn, armes Weib? Biſt

Du unwohl?“ — Und Dagobert faßte liebreich die Hand ſei⸗

ner Frau.

Im Innerſten erſchüttert durch dieſe liebreichen Worte, ſenkte die alte Frau das Haupt und küßte weinend die Hand ihres Mannes. Als der Soldat die brennenden Thränen auf ſeiner Hand fühlte, ſtieg ſeine Unruhe, und er rief: „Du weinſt? Du antworteſt mir nicht? So ſage mir doch, was Dich drückt. Iſt es vielleicht, weil ich ein wenig rauh zu Dir geſprochen habe, indem ich Dich fragte, warum Du die Kinder mit einer Nachbarin haſt ausgehen laſſen? Bedenke nur, eine ſterbende Mutter hat ſie mir anvertraut. Du be⸗ greifſt, ein ſolches Vertrauen legt eine heilige Pflicht auf. Drun bin ich auch immer bei ihnen geweſen, wie eine Gluck⸗ hennte bei ihren Küchlein.“ Bei dieſen Worten lachte er, um

n Frau aufzuheitern.