Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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blickte ſie zu ihrem neuen Verdruß den Mörder ihres Lieb⸗ lings einige Schritt von dem Thore gelagert. Die Kammer⸗ frau fuhr weg, und Freudenſtörer wartete auf die Rückkehr der Waiſen, welche in dem Marienkloſter nicht weit von Adriana von Cardoville eingeſperrt waren.

Wir führen nun den Leſer wieder zurück in die Briſe⸗Miche⸗ Gaſſe zur Frau Dagobert's, welche mit tödtlicher Angſt der Rückkehr ihres Mannes entgegen ſah und deſſen Fragen, wo die Töchter des Marſchalls Simon hingekommen ſeyen.

Siebzehntes Kapitel.

Einfluß eines Beichtvaters.

Kaum hatten die Waiſen die Frau Dagobert's verlaſſen, ſo kniete dieſe nieder und begann inbrünſtig zu beten. Ihre lange zurückgehaltenen Thränen floſſen reichlich. Trotz ihrer Ueberzeugung, mit Auslieferung der Mädchen eine heilige Pflicht erfüllt zu haben, ſah ſie mit Angſt der Rückkehr ihres

annes entgegen. Die Verblendung in Folge ihres from⸗ men Eifers war nicht ſo groß, daß ſie die Gerechtigkeit des

vorausſichtlichen Zorns Dagobert's verkannt hätte. Und oben⸗

drein mußte ſie ſeine Mißſtimmung noch vermehren durch die Nachricht von der Verhaftung Agricola's. Bei jedem Ge⸗ räuſch auf der Treppe fuhr ſie zuſammen und horchte. Dann fuhr ſie fort, zum Herrn zu beten, daß er ihr Kraft geben

möge, dieſe neue harte Prüfung zu beſtehen.

Endlich vernahm ſie Tritte auf der Treppe. Dies Mal war ſie gewiß, daß Dagobert es ſey. Schnell ſtand ſie auf, ſetzte ſich auf ihren Stuhl, trocknete ihre Thränen an der groben Sackleinwand und that, als nähte ſie. Ihre Hände zitterten ſo ſehr, daß ſie kaum die Nadel halten konnte.

Nach einigen Augenblicken ging die Thür auf und Dago⸗ bert trat ein. Das Geſicht des Soldaten war finſter. Un⸗ muthig warf er ſeinen Hut auf den Tiſch und rief: „Das arme Kind! Es iſt abſcheulich!“

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