Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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aber wer beſchreibt ihr Entſetzen, als ſie ihn auf ihrem Schovs hatte und regungslos ſah!

„Ein Schlagfluß!“ rief ſie. „Der Unglückliche fraß zu viel. Ich habe es vorausgeſehen. — Kutſcher, halt! halt!“ Der Kutſcher hörte dieſen Ruf nicht. Sie hob den Kopf Mon⸗ ſieur's auf, in der Meinung, er ſey bloß ohnmächtig. Und ſiehe da, unten am Hals kamen die blutigen Male von ſechs gewaltigen Fangzähnen zum Vorſchein und ließen keinen

Zweifel mehr darüber, wer oder was das beklagenswerthe

Ende des Mopſes verurſacht habe. „Todt! Todt!“ rief das Weib in Verzweiflung. „Er iſt ſchon kalt! — Todt! Ach, du mein Gott!“ Und ſie vergoß heiße Thränen.

Die Thränen der Boshaften ſind von übler Vorbedeutung. Ein Böſewicht kann nur weinen, wenn ihm recht wehe ge⸗ ſchieht, und die Rückwirkung ſeines Wehes iſt nicht eine fanfte, ſondern eine grimmige Gemüthsſtimmung. Die ſchmerzliche Rührung der Kammerfrau wich bald dem Zorn und dem Haß

— dem Haß gegen die Mädchen, welche die unſchuldige Ur⸗

ſache von dem Tod des beweinten Mopſes waren. Ihr zorn⸗ glühendes Geſicht verrieth ſo deutlich ihre Empfindungen, daß

Roſa und Blanea ſich entſetzten, als ſie ausrief: „Ihr Hund

hat ihn umgebracht!“ — „Verzeihung, Madame!“ entgegnete Roſa. „Zürnen Sie uns deßhalb nicht.“ Und Blanca brachte mit flehender Stimme die Entſchuldigung vor: „Ihr Hund hat den unſrigen zuerſt gebiſſen.“

Der Ausdruck des Schreckens in den Zügen der Waiſen

brachte die Kammerfrau zur Beſinnung und zum Bewußtſeyn

der ſchlimmen Folgen, welche ein weiterer Ausbruch ihres Zorns haben könnte. Um ihre Rachſucht ſicher ſättigen zu kön⸗ nen, mußte ſie ſich Zwang anthun und durfte den Mädchen kein Mißtrauen einflößen. Allmählig milderte ſie den zor⸗ nigen Ausdruck ihrer Blicke und verwandelte ihn wieder in den eines bitteren Schmerzes. Endlich verbarg ſie ihr Geſicht in ihren Händen, ließ einen langen Seufzer hören und ſchien ſehr zu weinen. „Die arme Dame!“ flüſterte Roſa ihrer Schweſter zu.

„Sie weint, ſie hat gewiß ihren Hund ſo gern gehabt, wie

wir Freudenſtörer haben.“ nr. 10

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