Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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„Ach Gott! Die gute, ſanfte, gefällige Mayeux!“ ſagte

Blanca mit Thränen in den Augen zu ihrer Schweſter.

„Da ich nichts für ſie thun konnte,“ fuhr Frau Grivvis fort, „ſo habe ich mich beeilt, hieher zurückzukommen und Sie von dieſem Irrthum zu benachrichtigen. Dieſer Irrthum iſt aber leicht gut zu machen, wenn ſp ſchnell wie möglich Ze⸗ mand hinläuft und ihre Freilaſſung begehrt.“

„Schwerenoth! Madame,“ rief Dagobert, raſch ſeinen Hut ergreifend, „das hätten Sie uns gleich anfangs ſagen ſollen. Wo iſt das arme Kind? Wiſſen Sie's2“

„Ich weiß es nicht,“ antwortete Frau Grivois. „Aber es ſind noch ſo viel Leute auf der Straße, daß Sie es gewiß er⸗ fahren können, wenn Sie ſo gefällig ſind, gleich hinzugehen.“

„Gefällig!“ wiederholte Dagobert unwirſch. „Es iſt meine Schuldigkeit. Das arme Kind als Diebin zu verhaften! Ich gehe zum Polizeicvmmiſſär oder auf die Wachtſtube. Ich muß ſie finden und heraushaben und hieherbringen.“ Mit dieſen Worten eilte er weg.

Francisca, über das Schickſal der Mayeux beruhigt, dankte dem Herrn, daß er ſo ihren Mann entfernt hatte, deſſen An⸗ weſenheit ſie in eine entſetzliche Verlegenheit gebracht. Frau Grivois warf ihr einen ausdrucksvollen Blick zu, übergab ihr den Brief vom Abbé Dubvis und ſagte langſam und deutlich: „Liebe Frau, aus dieſem Brief werden Sie den Zweck meines Beſuchs erſehen, den ich Ihnen noch nicht habe erklären kön⸗ nen, und um deßwillen ich mich glücklich ſchätze, weil er mich in Verbindung mit dieſen allerliebſten Fräulein bringt.“

Roſa und Blanca ſahen ſich verwundert einander an. Fran⸗ eisca las zitternd den Brief. Es bedurfte der dringenden, drohenden Befehle ihres Beichtvaters, um die letzten Bedenk⸗ lichkeiten der armen Frau zu überwinden. Sie bebte bei dem Gedanken an die Wuth Dagobert's Aber in ihrer Argloſig⸗ keit wußte ſie nicht, wie ſie es anſtellen ſollte, um den Mäd⸗ chen zu ſagen, daß ſie mit der fremden Dame gehen ſollten. Frau Grivois errieth ihre Verlegenheit und gab ihr einen Wink, daß ſie außer Sorgen ſeyn ſollte. Während die alte

Frau las, ſagte ſie zu Roſa; „Wie wird Ihre Verwandte er⸗ 9 3

freut ſeyn, Sie zu ſehen, liebes Kind!“ „Unſere Verwandte?“ wiederholte Roſa erſtaunt.

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