— 62 — delnd ihm zu. Die Frage, ob der Wille der ſchwarzen Dame geſchehen ſolle oder nicht, ward beſeitig durch die Erſcheinung eines Mannes, der mit einem Brief in der Hand eintrat.
„Was wollen Sie?“ fragte die Mayeux den Träger.
„Hier iſt ein dringender Brief von dem braven Mann der Frau, die hier wohnt. Der Färber unten hat mir geſagt, ich ſollte ihn herauftragen, obgleich ſie nicht zu Hauſe wäre.“
„Ein Brief von Dagobert!“ riefen Roſa und Blanca hoch⸗ erfreut. „Er iſt alſo wieder zurück? Wo iſt er?“
„Ich weiß nicht, ob der brave Mann Dagobert heißt,“ er⸗ wiederte der Träger. „Aber er iſt ein alter Reitersmann mit dem Ehrenkreuz und mit grauem Schnurrbart. Er iſt ein Paar Schritt von hier in dem Hof, von dem die Wagen nach
Chartres abgehen.“
„Er iſt's!“ rief Blanca. „Geben Sie den Brief her!“
„ ſ. Träger gab ihr den Brief, und Blanca öffnete ihn aſtig.
Frau Grivvis war wie vom Donner gerührt. Sie wußte, daß Dagobert nach Chartres geſprengt worden war, damit der Abbé Dubois in Sicherheit auf die Frau deſſelben einwirken könnte. In dem Augenblick, wo man die Zwillinge aus den Händen der Frau in Empfang nehmen wollte, kam Dagobert zurück, er, den man für z oder drei Tage von Paris ab⸗ weſend glaubte, und ſeine Räckkehr machte das mühſame Ge⸗ zu nichte, als man eben die Früchte deſſelben ernten wollte.
„Ach Gott!“ rief Blanca nach Durchleſung des Briefs. „Welches Unglück!“
„Was denn?“ fragte Roſa.
„Geſtern mitten auf dem Weg nach Chartres iſt Dagobert gewahr worden, daß er ſeinen Geldbeutel verloren hatte. Er konnte die Reiſe nicht fortſetzen und mußte zurückkehren. ſ bittet er ſeine Frau, ihm Geld in den Poſthof zu
icken.“
„So iſt's,“ ſagte der Träger. „Der brave Mann hat mir geſagt: Eile, denn wie Du mich hier ſiehſt, bin ich in Verſatz.“ * 3
„Und nichts — gar nichts im Haus!“ jammerte Blanca. „Gott, was iſt anzufangen?“


