Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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— 123 — den ſie zu ihrem Verderben machen. Jeden Augenblick kann

die Hand Gottes ſie treffen. Nur Gott weiß die Stunde

unſeres Todes. Wenn ſie in ihrem jetzigen Zuſtand ſtürben, würden ſie vielleicht auf ewig verdammt ſeyn. Alſo iſt es nothwendig, daß noch heute ihre Augen dem göttlichen Licht geöffnet, daß ſie in ein Kloſter gebracht werden. Das iſt Ihre

Fflicht. Iſt es auch Ihr Wunſch?“

„Ach ja, ehrwürdiger Vater. Nur bin ich, wie geſagt, lei⸗ der zu arm.“

„Ich weiß es. Es fehlt Ihnen weder an Eifer noch an Glauben. Aber geſetzt auch, Sie wären fähig, dieſe Mädchen zu unterweiſen, ſo würde das gottloſe Beiſpiel Ihres Man⸗ nes und Ihres Sohnes täglich Ihr Werk zu nichte machen. Andere alſo müſſen aus chriſtlicher Liebe für dieſe Waiſen thun, was Sie nicht können, während Sie doch vor Gott für dieſelben verantwortlich ſind.“

„Ach, ehrwürdiger Vater, wie dankbar würde ich ſeyn, wenn dies gute Werk durch Ihre Vermittlung zu Stande käme!“

„Es iſt nicht unmöglich,“ erwiederte der Prieſter. „Ich kenne die Oberin eines Kloſters, in welchem die Mädchen unterrichtet werden könnten, wie ſich's gebührt. Mit Rückſicht auf ihre Armuth würde der Betrag ihrer Penſion herabgeſetzt werden. Indeß ſo klein ſie auch wäre, bezahlt müßte ſie ſeyn. Und dann müſſen ſie auch das erforderliche Geräth mit⸗ bringen. Das könnten Sie auch nicht bezahlen.“

„Leider nein! ehrwürdiger Vater.“

„Wenn ich etwas aus meinem Almoſenkaſten nähme und außerdem mich an mildthätige Perſonen wendete, könnte ich

wohl die nöthige Summe zuſammenbringen und ſo die Aufnahme

der Mädchen im Kloſter bewirken.“

„Ach, ehrwürdiger Vater, Sie ſind mein Retter, und der Retter dieſer Kinder.“

„Ich wünſchte es zu ſeyn. Aber eben um ihrer Rettung willen und um die Wirkſamkeit dieſer Maßregeln zu ſichern, muß ich die Unterſtützung, welche ich Ihnen anbiete, von ei⸗ nigen Bedingungen abhängig machen.“

„O, nennen Sie dieſe Bedingungen! Ich verſtehe mich zum Voraus dazu. Ihre Gebote gehen mir über Alles.“