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„Ehrwürdiger Vater,“ antwortete Francisca, „man muß für ihn beten. Die Gnade iſt noch nicht über ihn gekommen. Er iſt wie mein armer Sohn. Ach, ehrwürdiger Vater, dieſe
Gedanken ſind mein ſchwerſtes Kreuz!“
„Alſo weder Ihr Mann, noch Ihr Sohn üben die reli⸗ giöſen Pflichten? Das iſt bedenklich — ſehr bedenklich Die ganze religiöſe Erziehung dieſer unglücklichen Mädchen iſt alſo erſt noch zu beginnen. Bei Ihnen werden ſie jeden Augenblick betrübende Beiſpiele vor Augen haben. Sehen Sie ſich vor. Ich habe es Ihnen gefagt: Sie haben Seelen auf dem Gewiſſen. Ihre Verantwortlichkeit iſt gränzenlos“
„Ach du mein Gott! Das macht mich eben troſtlos. Ich
weiß nicht, was ich anfangen ſoll. Kommen Sie mir zu
Hülfe. Geben Sie mir Ihren Rath. Seit zwanzig Jahren iſt Ihre Stimme für mich die Stimme des Herrn.“
„Verſtändigen Sie ſich mit Ihrem Mann und bringen Sie dieſe Unglücklichen in eine religiöſe Anſtalt, wo man ſie unterrichten wird.“
„Wir ſind zu arm, um Penſion für ſie zu bezahlen, ehr⸗ würdiger Vater. Und unglücklicher Weiſe iſt auch noch mein Sohn ins Gefängniß geſetzt, wegen Liedern, die er gemacht hat.“
„Da ſehen Sie, wohin die Gottloſigkeit führt ½ Betrachten Sie Gabriel. Er hat meinen Rath befolgt; und fetzt — — iſt er das Muſter aller chriſtlichen Tugenden.“
„Mein Sohn Agricola hat auch viele löbliche Eigenſchaften. Er iſt ſo gut, ſo hingebend.“
„Ohne Religion,“ entgegnete der Prieſter mit verdoppelter Strenge, „ſind die von Ihnen ſogenannten guten Eigenſchaf⸗ ten leerer Schein. Auf die geringſte Anregung des Teufels verſchwinden ſie, denn der Teufel ſitzt in jeder Seele ohne Religion.“
„Ach, mein armer Sohn!“ jammerte die alte Frau. „Und ich bete doch täglich, daß der Glaube ihn erleuchten möge.“
„Ich habe es Ihnen immer geſogt,“ fuhr der Prieſter fort, „Sie ſind zu ſchwach gegen ihn geweſen. Jetzt werden Sie von Gott dafür geſtraft. Sie hätten ſich von dieſem irreli⸗ giöſen Sohn trennen, ihn nicht in ſeiner Gottloſigkeit beſtär⸗
ken ſollen, indem Sie ihn liebten, wie Sie thun. Aergert
dich dein Auge, ſo reiß' es aus — ſagt die Schriſt.“


