„Sprechen Sie.“
„Mein Mann hat aus Sibirien zwei junge Waiſen, die Töchter des Marſchalls Simon, gebracht. Geſtern Morgen habe ich ſie aufgefordert, ihre Gebete herzuſagen, und habe mit Schrecken von ihnen gehört, daß ſie keines der Geheim⸗ niſſe des Glaubens kennen, obwohl ſie fünfzehn Jahr alt ſind. Sie haben nie ein Saerament empfangen, ſelbſt nicht einmal die Taufe, ehrwürdiger Vater, — nicht einmal die Taufe!“
„Es ſind alſo Götzendienerinnen?“ rief der Prieſter im Ton zürnenden Erſtaunens.
„Eben das macht mich troſtlos, ehrwürdiger Vater. Denn ich und mein Mann vertreten Elternſtelle bei dieſen Waiſen. Alſo trügen wir die Schuld der Sünden, welche ſie begehen könnten. Nicht wahr, ehrwürdiger Vater?“
„Sicherlich, da Sie an der Stelle Derer ſtehen, welche über ihre Seelen wachen follen. Der Hirt iſt verantwortlich für die Schafe.“
„Alſo, ehrwürdiger Vater, wenn ſie in einer Todſünde be⸗ fangen wären, würden ich und mein Mann gleichfalls in ei⸗ ner Todſünde befangen ſeyn?“
„Ja. Sie vertreten die Stelle ihrer Eltern, und Vater und Mutter ſind all der Sünden ſchuldig, welche ihre Kin⸗ der begehen, wenn dieſe ſündigen, weil ſie nicht eine chriſt⸗ liche Erziehung empfangen haben.“
„Ach, ehrwürdiger Vater! Was ſoll ich machen, ich wende mich an Sie, wie an Gott. Jeder Tag, jede Stunde, welche dieſe Mädchen im Götzendienſt zubringen, kann ihre ewige Verdammniß befördern. Nicht wahr, ehrwürdiger Vater?“
„Ja,“ antwortete der Prieſter, „und dieſe ſchreckliche Ver⸗ antwortlichkeit laſtet jetzt auf Ihnen und auf Ihrem Mann. Sie haben Scelen auf dem Gewiſſen.“
„O, mein Gott, erbarme dich meiner!“ jammerte die alte Frau.
„Sie brauchen nicht ſo zu jammern,“ ſagte der Prieſter in milderem Ton. „Zum Glück haben dieſe Unglücklichen Sie auf ihrem Weg gefunden, ſie werden an Ihnen und an Ihrem Mann auferbauliche Exempel haben. Denn Ihr Mann, der vordem gottlos war, übt doch wohl jetzt ſeine religiöſen Pflichten?“
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