Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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ander gelegten Füße ruhten auf einem dicken Bärenfell, wel⸗ ches als Teppich diente. Mit der entblößten, linken Hand hielt ſie ein prächtig geſticktes Schnupftuch und trocknete, zum großen Erſtaunen des Arztes, ihre Thränen. Denn jetzt em⸗ pfand ſie die Nachwirkung von den peinlichen Auſtritten, de⸗ nen ſie im Hötel St. Dizier beigewohnt hatte. Auf die fie⸗ berhafte Aufregung, welche ſie bis dahin gehoben hatte, war eine ſchmerzliche gefolgt. Adriana, ſo entſchloſſen in Behauptung ihrer Unabhängigkeit, ſo ſtolz in ihrer Verachtung, ſo ſchonungslos in ihreim Spott, ſo ver⸗ wegen in ihrer Auflehnung gegen eine ungerechte Unterdrückung, hatte ein Außß feines Gefühl, deſſen Verleßbarkeit ſie ſtets vor ihrer Tante und deren Umgebung ve erhehlte. Ungeachtet

ihres zuverſichtlichen Weſens war ſie ict weniger als Mann⸗

weib. Sie war ſtets Weib, und als Weib wußte ſie ſich ſehr zu beherrſchen, ſobald ein Zeichen der Schwäche von ihrer Seite ihre Feinde hätte erfreuen oder ſtolz machen können.

Die Kutſche rollte ſeit einigen Minuten dahin, und Adriana

hatte noch kein Wort geſprochen. Betroffen über ihre Ge⸗ müthsbewegung begann der Doctor: „Wie, Fräulein Adriana? Sie, eben noch ſo beherzt, Sie weinen?“

„Ja,“ antwortete Adriana mit erſtickter Stimme, „ich weine vor Ihnen, vor einem Freund. Aber vor meiner Tante — niemals.“

„Aber bei dieſer langen Unterredung — Ihre Stachel⸗ worte

„Glauben Sie denn nicht,“ erwiederte das Mädchen, n

ich nur ungern mich herbeilaſſe, in dieſem Kampf mit Spott⸗

reden zu glänzen? Nichts iſt mir mehr zuwider, it ieſe erbitterten Wortgefechte, in welchen ich mich gegen dieſe Frau und ihre Freunde zu vertheidigen habe. Sie ſpreché von meinem Muth. Glauben Sie mir, er beſtand nicht darin, einen boshaften Witz zu zeigen ſondern in Lricheltun und

Verbergung meines Schmerzes über eine ſo grobe Behand⸗

lung in Gegenwart von Leuten, die ich haſſe undverachte, denen 46 nie etwas zu Leid gethan hahe, da i ß f