Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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„Man beneidet eben Ihr Glück und das, welches Andere Ihnen verdanken,“ bemerkte der Arzt.

„Und meine Tante,“ rief Adriana empört, „meine Tante, deren Leben nur ein fortgeſetztes Aergerniß geweſen iſt, klagt mich auf eine ſo empörende Weiſe an! Als ob ſie nicht wüßte, daß ich zu ſtolz und zu aufrichtig bin, um eine andere Wahl zu treffen, als eine ſolche, deren ich mich laut rühmen könnte. Wenn ich einmal liebe, dann werd' ich es ſagen und zwar mit Stolz. Denn die Liebe, wie ich ſie verſtehe, iſt das Herr⸗ lichſte in der Welt. Wozu dienen noch Ehrgefühl und Offenheit, wenn ſie, eigen nicht einmal vor Verdächtigun⸗ gen ſchützen, die noch vüminer als gehäſſig ſind!“

Bei den letzten Worten hielt Adriana abermals ihr Schnupf⸗ tuch vor die Augen. Doetor Balejnier nahm einen ſalbungs⸗ vollen, herzlichen Won an und ſagte: „Liebes Fräulein Adriana! Beruhigen Sie ſich. Alles das iſt vorüber. An mir haben Sie einen ergebene Freund.“ Trotz ſeiner teuf⸗ liſchen Tücke erröthete Baleinier bei dieſen letzten Worten.

„Ich weiß es,“ ſagte Adriana, „Sie ſind mein Freund. Ich werde nie vergeſſen, daß Sie ſich heute dem Groll meiner Tante ausgeſetzt haben, indem Sie für mich Partei nahmen. Ich weiß wohl, daß ſie viel vermag, daß ſie viel Unheil an⸗ zurichten im Stande iſt.“

„Was das betrifft,“ ſagte der Doetor in gleichgültigem Tone, „ſo ſind wir Aerzte vor gar vielen Bosheiten ge⸗ ichert.“

3 „Lieber Herr Baleinier,“ ſagte Adriana ſchaudernd, „die Frau von St. Dizier und ihre Freunde verzeihen nicht leicht. Nur mein unüberwindlicher Widerwille, mein angeborner Ab⸗ ſcheu vor Allem, was niederträchtig, falſch und boshaft iſt, konnte mich dazu bringen, ſo offen mit ihr zu brechen. Aber wenn es auch — mein Leben koſtete, könnte ich nicht anders, und wahrlich!“ fügte ſie mit ihrem reizenden Lächeln hinzu, „ich liebe das Leben. — Mein Fehler iſt nur, daß ich es zu wonnig, zu ſchön, zu harmoniſch liebe. Aber Sie wiſſen ja, ich kann nicht über meine Fehler hinaus“

„Nun bin ich ruhiger,“ ſagte der Doctor in heiter „Sie lächeln; das iſt ein gutes Zeichen.“

iſt es das Vernünftigſte, be Adriana