mir nicht die Gnade oder vielmehr die Gerechtigkeit verſagen, die ich von ihm in Anſpruch nehme.“
„Was Fräulein?“ ſagte die Fürſtin. „Sie wagen es, ei⸗ nen ſolchen Entſchluß zu faſſen, ohne meinen Befehl, nach dem was vorgefallen iſt? Das iſt unerhört!“
„Es jämmerlich,“ fügte Herr Tripeaud hinzu. „Aber man darf hier auf Alles gefaßt ſeyn.“
Aigrigny ſtimmte nicht in dieſen Tyn ein. Als Adriana den Arzt fragte, ob ſein Wagen unten ſey, hatte es ihn durchzuckt, und ein Strahl unverhoffter Freude hatte in ſeinem Auge geglänzt. Mit Mühe verbarg er ſeine Ge⸗ müthsbewegung Während die Fürſtin und Tripeaud ſprachen, warf er dem Arzt einen vielſagenden Blick zu, und dieſer blinzelte zweimal zum Zeichen des Verſtändniſſes und Ein⸗ verſtändniſſes. Und als die Fürſtin weiter ſagte: „Ich ver⸗ biete Ihnen, das Haus zu verlaſſen!“ ſagte er ihr mit eigen⸗ thümlicher Betonung: „Mich dünkt, Frau Fürſtin, man könnte das Fräulein der Obſorge des Herrn Doctors über⸗ laſſen.“
Die Fürſtin ſah den Arzt, dann den Abbé an und ver⸗ ſtand, was Herr von Aigrigny ſagen wollte. Adriana be⸗ merkte ihr freudenſtrahlendes Geſicht eben ſo wenig, wie den Wechſel der Blicke zwiſchen dem Arzt und dem Geiſtlichen, die ſie ohnedem nicht hätte verſtehen können. Denn es war düſter geworden, und zudem war ſie ganz in Gedanken über das Schickſal Agricola's verſunken. Die Fürſtin wollte indeß nicht das Anſehn haben, als ob ſie ſo leicht nachgebe, und erwiederte dem Marquis: „Obwohl der Herr Doctor eine große Nachſicht gegen das Fräulein bewieſen zu haben ſcheint, ſo möchte es am Ende doch unbedenklich ſeyn, ſie ihm anzu⸗ vertrauen. Nur darum möchte ich es nicht geſchehen laſſen, damit man ſich nicht ſpäter darauf berufen könnte, daß ich dem Fräulein etwas nachgegeben habe, wozu ich nein geſagt hatte. Denn von heute an darf das Fräulein keinen anderen Willen haben, als den meinigen.“
Der Arzt nahm eine Miene an, als fühle er ſich durch vieſe Worte verletzt, und ſagte: „Frau Fürſtin, ich glaube, nicht nachſichtig, ſondern gerecht gegen das Fräulein geweſen z ſehn Ich ſtehe zu ihrem Befehl, um ſie zu dem Miniſte


