Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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Stunden vor dem Tag, wo er in der Kammer zur Rede ge⸗ ſtellt werden ſoll. Er zieht die Heiſerkeit dem Antworten vor.“

„Sie müſſen von diefem Miniſter etwas ſehr Wichtiges für mich erlangen.“

„Für Sie? — — Wie hängt das zuſammen — —.“

Der Arzt ward unterbrochen durch den eintretenden Kam⸗ merdiener der Fürſtin, welcher ihm einen Brief übergab und ſagte: „Ein Bedienter hat ſo eben dieſen Brief für den Herrn Dvetor gebracht. Es hat große Eile.“

Baleinier nahm den Brief, und der Kammerdiener ging weg. „Das ſind die Unannehmlichkeiten der Geſchicklichkeit,“ bemerkte Adriana lächelnd. „Armer Dvetor! man läßt Ih⸗ nen keinen Augenblick Ruhe.“

„Erinnern Sie mich nur daran nicht, Fräulein,“ erwiederte der Arzt, welcher einen Ausdruck der Ueberraſchung nicht ver⸗

bergen konnte, als er die Schriftzüge des Herrn von Ai⸗

grigny erkannte. „Dieſe verteufelten Kranfen meinen gerade, wir wären von Eiſen und hätten alle die Geſundheit aufge⸗ kauft, die ihnen mangelt. Sie ſind ganz und gar rückſichts⸗ los. — Aber erlauben Sie, Fräulein,“ fügte er mit einem fragenden Blick hinzu, während er im Begriff ſtand, den Brief zu öffnen.

Adriana erklärte durch ein freundliches Nicken, daß er un⸗ geſtört leſen könne. Der Brief war nicht lang. In einem Augenblick hatte der Doctor ihn geleſen. Seiner gewöhnlichen Vorſicht zuwider, zuckte er die Achſeln und ſagte lebhaft: „Heute? — — Unmöglich! Er iſt verrückt!“

„Gewiß ein armer Kranker, der ſeine einzige Hoffnung auf Sie ſetzt, der Sie erwartet, der Sie zu ſich ruft, ſagte Adriana. „O, lieber Herr Doetor, ſeyn Sie gutherzig. Wei⸗ ſen Sie nicht ſeine Bitte zurück! Es iſt ſo ſüß, das Ver⸗ trauen zu rechtfertigen, welches man einflößt!“

Es lag höchſt ſonderbarer Weiſe eine ſolche Aehnlichkeit und zugleich ein ſolcher Widerſpruch in dem Inhalt des ſo eben von dem unverſöhnlichſten Feind Adriana's geſchriebenen Briefs und in den mitleidigen Worten, welche Adriang mit rüh⸗ render Stimme ſprach, daß der Arzt betroffen das Mädchen

mit faſt verlegener Miene anſah und antwortete: „Es han⸗

delt ſich allerdings um Jemand, den ich bediene, welcher ſehr

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