Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

„Adriana geht heute Abend hin, die Töchter des Marſchalls Simon abzuholen. Vielleicht findet ſie dieſelben nicht mehr.,

„Das ſteht nicht zu hoffen,“ erwiederte der Abbé. „Un⸗ möglich können die Befehle Rodin's ſo ſchnell vollzogen ſeyn. Wir wären davon benachrichtigt.“

„Das iſt wahr. Schreiben Sie alſo an den Doctor. Ich will Ihnen Dubvis ſchicken, daß er den Brief beſorge. Muth, Friedrich! Wir wollen dies ſtarrköpfige Mädchen zurechtſetzen. — Adriana! Du ſollſt theuer deine frechen Spöttereien und die Angſt, die du uns bereiteſt, bezahlen!“

Mit dieſen Worten ging die Fürſtin weg. An der Thür wandte ſie ſich um und ſagte: „Erwarten Sie mich hier. Ich will Ihnen ſagen, was der Beſuch des Polizeicommiſſärs zu bedeuten hat, und dann wollen wir zuſammen in den Saal zurückkehren.“

Die Fürſtin ging hinaus. Herr von Aigrigny ſchrieb mit

zitternder Hand haſtig ein paar Worte. Siebentes Kapitel. *

D e S ch

Nach dem Weggang der Fürſtin und des Marquis war Adriana, wie geſagt, mit Doctor Baleinier und mit dem Ba⸗ ron Tripeaud im grünen Saale geblieben. Bei Ankündigung des Beſuchs des Polizeicvmmiſſärs hatte ſie lebhafte Unruhe empfunden, denn ſie zweifelte nicht, daß, wie Agricola befürch⸗ tet hatte, der Beamte gekommen ſey, um eine Hausſuchung nach dem Schmied im Hötel und im Pavillon anzuſtellen. Freilich hielt ſie das Verſteck Agricvla's für gut, aber ſie war doch nicht ganz ſicher. In der Vorausſicht eines ſchlimmen Ausgangs, beſchloß ſie, ihren Schützling dringend dem Doc⸗ tor zu empfehlen, welcher, wie wir gehört haben, der ver⸗ traute Freund eines einflußreichen Miniſters jener Zeit war. Sie trat alſo zu dem Arzt, welcher leiſe mit dem Baron ſprach, und ſagie mit dem ſanfteſten, einſchmeichelidnen To