Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

„Ich bin weder erſtaunt noch verlegen. Aber ſeit zwei Stunden nöthigen Sie mich, ſo neue, ſo unerhörte Dinge daß man wirklich nicht weiß, was man ſagen vll.“

Adriana faßte ihre Tante ſcharf ins Auge und ſagte: „Ich bitte um Vergebung, Frau Fürſtin. Sie ſind ſehr verlegen — und Herr von Aigrigny ebenfalls. Wenn ich das mit gewiſſen Verdachtsgründen zuſammenhalte, die ich noch nicht ins Reine gebracht — — —. Sollte ich recht gerathen haben?“

Die Fürſtin verlor völlig ihre Beſonnenheit und ſchrie: „Fräulein! ich befehle Ihnen zu ſchweigen!“

„O, Madame!“ rief Adriana. „Für eine Perſon, die ſich ſonſt ſo wohl zu beherrſchen weiß, geben Sie ſich eine ent⸗ ſetzliche Blöße.“

Die Vorſehung, würde ein. Zeluit ſagen, kam der Fürſtin und dem Marquis in dieſem gefährlichen Augenblick zu Hülfe. Ein Kammerdiener ſtürzte mit verſtörtem Geſicht herein. „Was gibt's, Dubvis?“ rief die Fürſtin ihm zu.

„Frau Fürſtin,“ ſagte der Diener, „verzeihen Sie, daß ich Ihrem ausdrücklichen Befehl zuwider, Sie ſtöre. Der Herr Polizeicommiſſär will den Augenblick mit Ihnen ſpre⸗ chen. Er iſt unten, und im Hof ſtehen mehre Polizeidiener mit Soldaten.“ *

Trotz ihrer Beſtürzung über dieſen neuen Umſtand, vergaß die Fürſtin doch nicht, daß es für ſie dringend ſey, ſich über die drohenden Offenbarungen Adriana's mit dem Marquis zu verſtändigen. Indem ſie ſich erhob, ſagte ſie zu ihm: „Herr von Aigrigny, wollten Sie ſo gefällig ſeyn, mich zu begleiten? Ich begreife nicht, was das Erſcheinen des Polizeicommiſſärs bei mir bedeuten ſoll.“

Der Abbé Marquis von Aigrigny folgte der Fürſtin in das anſtoßende Gemach.